Tripolis/Algier/Manama/Sanaa/Kairo (dpa) - In der arabischen Welt gärt und brodelt es an allen Ecken. An den aktuellen Brennpunkten Libyen, Algerien, Bahrain und Jemen gingen am Samstag erneut Abertausende Menschen auf die Straßen, um Reformen in ihren Ländern einzufordern.

die Machthaber antworteten auf die Forderungen mit teilweise blutiger Gewalt. Lediglich in Bahrain gab es erste Zeichen der Entspannung - dort erhielt die Armee den Befehl zum Rückzug von den Straßen, der Kronprinz erhielt den Auftrag zum Dialog.

In Libyen gingen die Sicherheitskräfte mit brutaler Härte gegen Demonstranten vor. In der Küstenstadt Bengasi kam es erneut zu blutigen Zusammenstößen zwischen Gegnern des Staatschefs Muammar al-Gaddafi und Polizei- und Armeeverbänden. Elitetruppen hätten damit begonnen, die Kundgebungen in der Stadt mit Waffengewalt aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge dem Fernsehsender BBC. Zuvor sei die Stadt fast zur Gänze in die Hände der Protestbewegung gefallen, sagte der Mann aus Bengasi. Opferzahlen wurden zunächst nicht bekannt.

Auch aus der Küstenstadt Misurata wurden Massenproteste gemeldet. Dort gingen nach Angaben der Nationalen Front zur Rettung Libyens Tausende von Regierungsgegnern auf die Straße und riefen immer wieder «Nieder mit Gaddafi». Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sollen seit Beginn der Proteste gegen das Gaddafi-Regime mindestens 84 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden sein.

Bei einer Demonstration von Regierungsgegnern in Algier gab es am Samstagvormittag mehrere Verletzte. Etwa 400 Menschen hätten sich trotz der massiven Polizeipräsenz auf dem Platz des 1. Mai in der Innenstadt versammelt, um gegen die Regierung und soziale Missstände im Land zu protestieren, berichtete die regierungskritische, aber als seriös geltende Website «elwatan.fr».

In Marokko riefen Bürgerinitiativen und Jugendgruppen für Sonntag zu Demonstrationen in allen größeren Städten des Landes auf. Sie verlangen demokratische Reformen und eine Einschränkung der Macht von König Mohammed VI. Marokko war bisher von den Unruhen in Staaten der arabischen Welt kaum betroffen gewesen. Das Land hat eine vielfältige Parteienlandschaft und ein frei gewähltes Parlament. Die Macht der Regierung ist allerdings dadurch eingeschränkt, dass der König in wichtigen Fragen das letzte Wort hat.

Im Königreich Bahrain am Persischen Golf blieb die Lage zwei Tage nach der blutigen Niederschlagung der Proteste in der Hauptstadt Manama am Samstag angespannt. Kronprinz Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa beorderte am Samstag überraschend mit «sofortiger Wirkung» die Armee aus den Straßen und Wohngebieten des Landes zurück.