Berlin (dpa) - Der Rückhalt für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Plagiats-Affäre bröckelt. Zwar hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu ihrem Minister.

Aber im Kabinett ging als erste Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) mit den Worten auf Distanz, sie schäme sich für Guttenberg.  Eine Kehrtwendung vollzog auch Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle. Er distanzierte sich öffentlich wegen schwerer Mängel von der Arbeit seines Doktoranden.

Mehr als 30 000 Menschen, darunter viele Akademiker, protestierten in einem offenen Brief an Merkel gegen das Verhalten der Regierung. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach angesichts der Kritik von einem sehr ernsten Vorgang.

Die Vorwürfe aus der Union an dem CSU-Politiker Guttenberg verärgerten Parteichef Horst Seehofer. Der CSU-Vorsitzende kritisierte auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der mit den Worten zitiert wurde, das Verhalten Guttenbergs sei ein «Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie».

In einer auf der Homepage der Universität Bayreuth veröffentlichten Erklärung schreibt der emeritierte Jura-Professors Häberle: «Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel. Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war.» Die Aberkennung des Doktortitels sei die notwendige Folge gewesen. Dass er die Vorwürfe erst zurückgewiesen hatte, sei vorschnell gewesen.

Die Kanzlerin sicherte Guttenberg weiter Unterstützung zu. «Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen (...) der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert», sagte Seibert. Guttenberg habe gesagt, er habe nicht vorsätzlich gehandelt. «Die Kanzlerin glaubt ihm.» Merkel bleibe weiter bei der Äußerung, sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten berufen, sondern als Minister.

Lammert soll mit Kritik nachgelegt haben. Er habe die Affäre und ihre Begleitumstände am Freitag vor Abgeordneten der SPD-Arbeitsgruppe Demokratie als «Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie» bezeichnet, berichtete die «Mitteldeutsche Zeitung». Ein Sprecher Lammerts sagte dazu, das Gespräch sei vertraulich gewesen.