Paris (dpa) - Die Vorwürfe gegen Stardesigner John Galliano (50) mehren sich. Ein im Internet kursierendes Video zeigt einen Mann mit seinen Gesichtszügen lallend judenfeindliche Sprüche machend. Unklar blieb, wann und von wem es aufgenommen wurde.

Zudem meldete sich eine 48-jährige Pariserin und erstattete wegen anti-semitischer Pöbeleien Anzeige gegen den exzentrischen Briten, berichtete die Zeitung «Le Parisien» am Montag. Sie habe zwei Zeugen für den Vorfall aus dem vergangenen Jahr benannt. Damals habe sie die Beleidigungen auf die offensichtliche Trunkenheit des Designers zurückgeführt. Nach Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe gegen ihn habe sie aber ihre Meinung geändert.

Galliano war am Freitag nach Berichten über einen verbalen Ausfall wenige Tage vor den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen vom französischen Modehaus Dior suspendiert worden. Ein Paar hält dem Modeschöpfer vor, nach einer erhitzten Debatte auf einer Pariser Bistro-Terrasse mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen übelst beschimpft worden zu sein. Galliano bestreitet das energisch und hat seinerseits Klage wegen Diffamierung und Beleidigung gegen das Paar eingereicht. Der «Tatort» ist in beiden Fällen der gleiche: ein angesagtes Bistro im Pariser Szeneviertel Marais. Dor soll auch das Video gedreht worden sein, über das am Montag auch die britische Zeitung «The Sun» berichtete.

Am Montagnachmittag gab es eine Gegenüberstellung auf der zuständigen Pariser Polizeiwache. Vor einem Großaufgebot von Journalisten traf Galliano mit tief ins Gesicht gezogenem Schlapphut ein. Die Gegenüberstellung verlaufe «sehr gut», erklärte Gallinaos Anwalt nur. Unklar blieb, ob Galliano am kommenden Freitag bei den Prêt-à-Porter-Schauen seines Arbeitgebers dabei sein wird. Eine Sprecherin von Dior lehnte jede Stellungnahme dazu ab.