Berlin (dpa) - Die richtige Vorgehensweise gegen Kinderpornografie im Internet bleibt in der Union umstritten. Der Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer wies am Montag einen Vorstoß seines Kollegen Günter Krings zurück.

Der Unions-Fraktionsvize Krings dringt darauf, die umstrittenen Internet-Sperren gegen Kinderpornografie wieder einzusetzen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) müsse die per Erlass ausgesetzten Sperren zum 1. März wieder einführen, forderte er in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montag).

Kretschmer sagte dagegen zu ZDF-«heute.de», Netzsperren seien ein Irrweg. Er plädierte dafür, die Seiten stattdessen zu löschen. Das könne innerhalb von Stunden bewerkstelligt werden. «Nur dadurch verschwindet das Zeug wirklich», sagte Kretschmer.

Auch mit dem liberalen Koalitionspartner hat die Union darüber nach wie vor Streit: Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Christian Ahrendt, sagte am Montag in Berlin, der Erlass gelte noch bis zum 30. September. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, zu welchem Zeitpunkt das im Koalitionsvertrag vereinbarte Evaluierungsjahr ablaufe, sei derzeit Gegenstand von Gesprächen.

Nach einer im Februar 2010 in Kraft getretenen Regelung sind Anbieter von Internetzugängen eigentlich verpflichtet, Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu sperren, die auf einer geheimen Liste des Bundeskriminalamts (BKA) geführt werden. Jedoch hatte sich die Bundesregierung auf Drängen der FDP darauf geeinigt, die Sperren für ein Jahr auszusetzen und zu versuchen, die Seiten zu löschen.

Nach Angaben der Zeitung waren die Löschversuche des BKA im Jahr 2010 in sechs von zehn Fällen erfolgreich. 39 Prozent aller registrierten Kinderporno-Seiten seien trotz Löschersuchens des BKA an die zuständigen Stellen nach einer Woche weiter im Netz zu finden.

Krings sagte: «Die Ergebnisse nach einem Jahr sind eindeutig.» Nach seinen Worten will die Union die in der Koalition vereinbarte einjährige Testphase nicht ausdehnen. Hingegen warnte Ahrendt die Union davor, die Frist zum 1. März aufzuheben. Dies würde «einen Alleingang bedeuten, der durch nichts zu rechtfertigen wäre».