Mönchengladbach (dpa) - Der Tabellenletzte empfängt den Vorletzten, verlieren ist verboten: Unter diesem gewaltigen Druck treffen Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart im Kellerduell der Fußball-Bundesliga aufeinander.

«Abstiegskampf bedeutet auch Leid und Schmerz. Damit muss man umgehen können», sagte Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic. Der Unterlegene in diesem Spiel droht den Anschluss an den rettenden 15. Platz erst einmal zu verlieren. Er sollte langsam damit beginnen, für die 2. Liga zu planen.

Angesichts dieser Ausgangspositionen sind beide Vereine zunächst einmal bemüht, den großen Druck von ihren Spielern zu nehmen. «Ich habe zuletzt sehr viele Bezeichnungen zu diesem Spiel gehört. Aber es ist letztlich nur ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten», sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Auch VfB-Trainer Bruno Labbadia betonte: «Das ist nur eine von 14 Etappen. Wir brauchen einen langen Atem. Angst ist in unserer Situation ein schlechter Ratgeber.»

Laut Martin Stranzl wird es «vor allem auf die Psyche ankommen. Die Mannschaft, die damit besser umgehen kann, wird das Spiel am Ende für sich entscheiden.» Der neue Abwehrorganisator der Borussia spielte von 2004 bis 2006 beim VfB und liefert damit eine der zahlreichen Randgeschichten, die dieses Duell über seine Bedeutung für den Abstiegskampf hinaus interessant machen.

Die Gladbacher haben in dieser Saison noch kein Heimspiel gewonnen, die Stuttgarter kein Auswärtsspiel. «Den Bock wollen wir umstoßen», meinte Labbadia. Das möchte die Borussia allein schon deshalb verhindern, weil sie seit dem Hinspiel noch eine Rechnung zu begleichen hat: Da wurde sie mit 7:0 aus dem Stadion geschossen. «Der VfB hat nichts verbrochen, wir haben keine Rachegelüste, aber wir haben Gelüste, zu gewinnen», sagte Gladbachs Trainer Michael Frontzeck, der von 1989 bis 1994 ebenfalls in Stuttgart spielte.

Personell und psychologisch gehen die beiden punktgleichen Teams unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in diese Partie. Der gute Rückrunden-Start mit zwei Siegen in drei Spielen sowie der erfolgreiche Einbau von gleich vier neuverpflichteten Spielern hat bei den Gladbachern für Selbstvertrauen gesorgt. Der Tabellenletzte hat eine neue Struktur bekommen und Frontzeck keinerlei Grund, seine zuletzt in Frankfurt siegreiche Formation zu verändern.

Der VfB dagegen muss wahrscheinlich erneut auf Nationalstürmer Cacau und seinen Kapitän Matthieu Delpierre verzichten. Beide plagen sich noch immer mit Adduktorenproblemen herum. Die 0:1-Niederlage gegen Freiburg hat den Stuttgartern einen Schock versetzt, mit der Verpflichtung von Tamas Hajnal von Borussia Dortmund wichen sie am Montag noch einmal von ihrer ursprünglichen Planung ab, den Kader möglichst unverändert zu lassen. «Zuletzt hat mir die Kreativität im Mittelfeld gefehlt - die haben wir jetzt mit Hajnal», sagte Labbadia. Ob er von Beginn an spielt, ist aber ebenfalls noch offen.