Düsseldorf (dpa) - Der wirtschaftliche Aufschwung ist da, die Finanzkrise scheint überwunden. Doch viele Menschen in Deutschland können ihre Schulden nicht bezahlen.

So haben Arbeitslosigkeit und die zunehmende private Verschuldung nach Angaben der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform im vergangenen Jahr knapp 140 000 Menschen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben.

Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg damit um 7,6 Prozent, sagte Vorstandsmitglied Helmut Rödl. In diesem Jahr rechnet das Institut mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 142 000. Eine Trendwende sei nicht in Sicht.

Eine leichte Entspannung registrierte die Creditreform dagegen bei den Unternehmen. So traten 2010 rund 32 100 Betriebe den Gang zum Insolvenzgericht an - 2,5 Prozent weniger als im Krisenjahr 2009. Europaweit gingen die Firmenkonkurse ebenfalls leicht zurück, während die Zahl der Privatpleiten stieg.

Knapp 385 000 Menschen mussten in Westeuropa ihren Bankrott erklären. «Der Verlust der Beschäftigung und die damit einhergehenden erheblichen Einkommenseinbußen gelten als Auslöser Nummer eins», betonte Rödl. Steigende Zinslasten könnten weitere Privatpleiten verursachen. Allein in Deutschland seien mehr als 6 Millionen Haushalte überschuldet. Tendenz weiter steigend.

Auch wenn sich die Arbeitslosigkeit deutlich verringert habe, arbeiteten viele Menschen weiterhin im Niedriglohnsektor und gerieten so oft zwangsläufig in finanzielle Schwierigkeiten. Die größten Zuwächse bei den Privatinsolvenzen gibt es nach weiteren Angaben der Creditreform bei den 18- bis 28-Jährigen. «Das Problem ist, dass viele junge Menschen in überschuldeten Familien aufwachsen und nichts anderes lernen», sagte Rödl.

Bei den Unternehmen in Deutschland zeigt sich in den Branchen eine positive Entwicklung, die vom Wirtschaftsaufschwung stark profitieren: Besonders in der Industrie wie im Maschinenbau oder in der Autobranche waren die Insolvenzzahlen rückläufig. Aber auch im Handel und der Bauindustrie gingen weniger Betriebe pleite als ein Jahr zuvor.