Paris (dpa) - Stéphane Hessel ist mit seinem Buch «Empört euch» in Frankreich über Nacht zum Medienstar geworden. In dem knapp 30-seitigen Text ruft er zum Protest gegen Ungerechtigkeit und das Finanzmonopol auf.

An diesem Dienstag (8. Februar) erscheint das kleine Buch auf Deutsch. Was der 93-jährige Widerstandskämpfer, Überlebender des KZ Buchenwald, Diplomat und Mitunterzeichner der Charta der Menschenrechte (1948), von seinen Lesern und den politischen Entscheidungsträgern erwartet, erzählte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihres Buches?

Hessel: «Es ist günstig, die Präsentation ist ansprechend, und es hat einen spannenden Titel. Aber abgesehen von diesen Formalien glaube ich, dass es in Frankreich, vielleicht auch in Deutschland und anderswo, zu einem Zeitpunkt erscheint, wo die jungen und weniger jungen Menschen sich Sorgen um die Zukunft machen. Sie haben kein Vertrauen mehr in die Regierungen, die keine richtigen Zukunftsvisionen bieten. Sie verlangen bessere Aussichten als die, die wir haben. Wir stehen im 21. Jahrhundert vor einer Art Abgrund.»

Ist der Widerstand heute in der arabischen Welt die Antwort, für die Sie sich in Ihrem Buch aussprechen?

Hessel: «Ja, aber ich betone, mein kleiner Text ist kein revolutionäres Manifest. Er sagt nicht, dass man auf die Straße gehen soll. Sondern sagt, wir haben keine richtigen Grundwerte mehr, auf die wir unsere Zukunft aufbauen können. Diese Grundwerte müssen wir wieder finden. Was in Tunesien und Ägypten stattfindet, ist eine Erneuerung des politischen Denkens.»

Sie nennen die Résistance als Quelle Ihrer Empörung. Heute haben sich die Lebensbedingungen geändert, da lassen sich doch die Erfahrungen aus einer Kriegs- und Widerstandszeit nicht so einfach übertragen?