Frankfurt/Main (dpa) - Eifersuchtsdrama oder sexueller Missbrauch? Der Schiedsrichter-Skandal um Manfred Amerell und Michael Kempter wird vor dem Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) wieder aufgerollt.

Dabei könnte die Schlammschlacht weitergehen, die den Fall vor einem Jahr bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Vor dem Prozess am 10. Februar halten sich die beiden Protagonisten völlig zurück. Im Gerichtssaal werden sie erstmals wieder aufeinandertreffen.

Auch Amerells Anwalt Jürgen Langer will keine Stellungnahme abgeben. Kempters Rechtsvertreter Christoph Schickhardt sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Wir werden die Verfahren alle gewinnen.» Verhandelt wird unter dem Vorsitzenden Richter Alexander Meinhoff die Zivilklage Amerells gegen Kempter. Der frühere Schiedsrichter- Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fordert von dem einstigen Bundesliga- und FIFA-Referee 150 000 Euro Schadensersatz wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte.

Hintergrund sind die von Kempter in Zeitungsinterviews erhobenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch seinen einstigen Förderer. Die Affäre hatte den DFB und seinen Präsidenten Theo Zwanziger 2010 monatelang beschäftigt und zu einer Neuordnung des Schiedsrichterwesens im größten nationalen Sportfachverband der Welt geführt.

Amerell hat erst vergangene Woche vor dem Oberlandesgericht München eine juristische Niederlage gegen Zwanziger einstecken müssen: Dort scheiterte der 63-Jährige in letzter Instanz mit dem Versuch, Zwanziger gerichtlich zu untersagen, öffentlich von einer Amtspflichtverletzung zu sprechen.

Anhängig ist in der Auseinandersetzung zwischen Amerell und Kempter noch ein Einspruch des früheren DFB-Funktionärs vor dem Landgericht Köln: Kempter hatte dort eine Einstweilige Verfügung gegen Amerell erwirkt. Dem verheirateten Familienvater und Hotelier aus Augsburg wurde unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von jeweils 250 000 Euro untersagt, private E- Mails oder SMS von Kempter an ihn zu verbreiten.

Mit intimen Details aus dem persönlichen Schriftverkehr zwischen den beiden war Amerell damals an die Öffentlichkeit gegangen, um sich zu wehren. Der 36 Jahre jüngere Bankkaufmann Kempter aus Sauldorf hatte dem damaligen DFB-Schiedsrichter-Chef Volker Roth gemeldet, er sei von Amerell sexuell belästigt worden. Der einstige Schiedsrichter-Funktionär bestreitet dies. Er habe zwar «einer menschlichen Schwäche» nachgegeben, sagte Amerell, die intimen Kontakte seien jedoch im Einvernehmen zustande gekommen. Kempter wiederum betonte, er sei heterosexuell und habe den Avancen des mächtigen Schiedsrichter-Beobachters nicht widerstanden, um seine Karriere nicht zu gefährden.