Kamen (dpa) - WM-Revanche als wegweisender EM-Testlauf: Im Klassiker gegen Italien will Joachim Löw mit aller Macht und den frustrierten Bayern-Stars vorneweg die lange Durststrecke gegen den Angstgegner beenden.

«Wir haben seit 16 Jahren nicht gegen Italien gewonnen - das ist das Ziel», sagte Kapitän Philipp Lahm und kündigte eine entschlossene deutsche Mannschaft an: «Wir wollen zeigen, dass wir ganz hoch angesiedelt sind in der Fußball-Welt. Wir spielen zu Hause, wir wollen Druck machen und das Tempo hoch halten.»

Der Bundestrainer kam am Dienstag in der Sportschule Kaiserau sogar verspätet zur Pressekonferenz, weil er seine 21 Spieler am Vormittag länger als ursprünglich geplant auf das erste Länderspiel des Jahres einschwor: «Die Mannschaftssitzung hat länger gedauert, weil wir gegen die Italiener 16 Jahre nicht mehr gewonnen haben - da war es nötig», sagte Löw.

Im Gegensatz zu den letzten enttäuschenden Testspielen gegen Dänemark (2:2) und Schweden (0:0) nimmt der Bundestrainer die Revanche für das verlorene WM-Halbfinale 2006 so ernst wie ein Punktspiel. Die Besten wird er aufbieten - unabhängig von Verein und Alter: «Wir sind nicht dem Jugendwahn verfallen», sagte er mit Blick auf die gleich fünf Dortmunder Youngster im 21-köpfigen Kader: «Wir beurteilen nur nach Qualität.» Zwei Lokalmatadore dürfen auf einen Platz in der Startelf hoffen, denn Löw grübelte vor dem Abschlusstraining noch über zwei offene Positionen, «linker Verteidiger und der Innenverteidiger neben Per Mertesacker».

Der formstarke Mats Hummels dürfte im Deckungszentrum den Vorzug vor Rückkehrer Arne Friedrich und dem Münchner Holger Badstuber erhalten. Und außen könnte Löw Linksfuß Marcel Schmelzer noch einmal auf höchstem internationalen Niveau testen. Weitere Experimente - etwa mit Talent Mario Götze - sind erst nach der Pause geplant.

Richten sollen es im noch nicht ausverkauften Dortmunder Stadion aber in erster Linie die etablierten Kräfte, allen voran die in der Bundesliga im Schatten der BVB-Himmelsstürmer stehenden Bayern. Vier werden in der Startformation auflaufen - Lahm, Schweinsteiger, Müller und auch Miroslav Klose, der sich im Training «in unglaublich guter Form» gezeigt habe, wie Löw schwärmte. Manuel Neuer im Tor, Lukas Podolski auf dem linken Flügel sowie die beiden Real-Profis Mesut Özil und Sami Khedira komplettieren die Startformation.

Khedira meldete sich nach einer Knieprellung «hundertprozentig fit». Löw kann damit im defensiven Mittelfeld auf das Gespann Schweinsteiger/Khedira bauen, das sich in der Abwesenheit von Kapitän Michael Ballack etablieren konnte. Was Löw über sein Sechser-Gespann sagte, muss Routinier Ballack alarmieren: «Die Konstellation Khedira/Schweinsteiger hat hervorragend geklappt. Es ist für mich die erste Option. Im Moment gibt es keine Veranlassung, etwas zu ändern.»