Berlin (dpa) - Paare, die bei künstlichen Befruchtungen einen Gentest machen wollen, können bis zum Sommer auf rechtliche Klarheit hoffen. Dann soll der Bundestag über eine Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in engen Grenzen oder ein Verbot entscheiden.

Die endgültige Abstimmung über die drei vorliegenden Gesetzentwürfe sei noch vor der Sommerpause Anfang Juli wahrscheinlich, sagte der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer.

Er gehört zur Gruppe der Bundestagsabgeordneten, die am Dienstag in Berlin einen Entwurf für ein striktes Verbot der PID-Technik vorlegten. «Wir wollen nicht, dass in Deutschland eine Qualitätskontrolle über menschliches Leben zulässig ist», sagte Singhammer. Auch die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warnte: «Wir möchten nicht in einem Land leben, wo Einzelne entscheiden dürfen, welches Leben leben darf und welches nicht.»

In Ländern wie Großbritannien, wo die PID erlaubt sei, gebe es wegen medizinischer Fortschritte eine starke Dynamik, das Verfahren immer weiter auszudehnen. So könnten dort schon Embryos auf ein späteres Brustkrebs-Risiko untersucht werden, sagte Schmidt.

Mit der PID-Technik können bei künstlichen Befruchtungen erzeugte Embryonen aus dem Reagenzglas mit Gentests - vor der Einpflanzung in den Mutterleib - auf mögliche Erbkrankheiten und drohende Behinderungen untersucht werden.

Die Linkspartei-Abgeordnete Kathrin Vogler erklärte, 95 Prozent der Behinderungen bei Neugeborenen seien nicht auf Gendefekte, sondern auf Krankheiten in der Schwangerschaft oder Komplikationen bei der Geburt zurückzuführen. «Auch die PID gibt keine Garantie auf ein gesundes Kind.»

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt äußerte Verständnis für betroffene Eltern, lehnte aber ein Gesellschaftsbild ab, das sich auf Vater, Mutter und gesundes Kind reduziere. «Auch das Leben mit einem behinderten Kind ist ein lebenswertes Leben - und oft auch ein glückliches Leben», sagte die Grünen-Politikerin.