Berlin (dpa) - Das von Regisseur Christoph Schlingensief geplante Operndorf in Afrika soll schon im Herbst mit einer Schule starten. Ein halbes Jahr nach dem Tod des Künstlers sei der erste Bauabschnitt seines Traumprojekts auch finanziell gesichert, sagte seine Witwe Aino Laberenz am Dienstag in Berlin. «Es geht nicht darum, Christoph zu ersetzen, sondern zu schauen, wie ich ihn in dem Projekt bewahren kann.»

Für das Operndorf im westafrikanischen Burkina Faso war vor genau einem Jahr der Grundstein gelegt worden. Nach Schlingensiefs Krebstod im vergangenen August war die Zukunft des Projekts zunächst nicht absehbar. Jetzt unterstützt ein hochkarätiges Kuratorengremium die Pläne. «Wir wären nicht angetreten, wenn es uns nur um die Schule ginge», sagte Rechtsanwalt Peter Raue als ein Vertreter des Gremiums. «Wir wollen, dass alle drei Phasen umgesetzt werden und auch der Betrieb gesichert ist.»

Nach Angaben des preisgekrönten Architekten Francis Kéré, der die Pläne noch zusammen mit Schlingensief entwickelt hatte, soll bis zur Einschulung im Oktober die erste Bauphase abgeschlossen sein. Dann gibt es Klassenräume, ein Tonstudio für die Musikklasse, Wohnungen für vier bis fünf Lehrer und eine Kantine. Das notwendige Geld von etwa einer halben Million Euro sei bereits da, so Raue.

In der zweiten Bauphase sollen ein Sportplatz, ein Gästehaus sowie Film- und Musikstudios folgen. Für den dritten und letzten Abschnitt ist der Bau des Festspielhauses mit Garderoben und Werkstätten für Schneiderei und Bühnenbau geplant. Auch eine Krankenstation soll entstehen.

«Das Projekt muss kommen, und ich stehe dahinter mit meiner Kraft und meinem Fachwissen», sagte Kéré. Der gebürtige Afrikaner ist für den früheren Bau einer Dorfschule in Burkina Faso mit dem höchstdotierten Architekturpreis der Welt, dem Aga-Khan-Preis, ausgezeichnet worden. Wie dort will er auch in dem Schlingensief-Projekt nur mit heimischen Naturmaterialien und einer selbstkühlenden Dachkonstruktion arbeiten. «Es soll nicht wie vom Flieger runtergeworfen sein», sagte er.

Laberenz betonte, ihr Mann habe das Projekt immer als einen lebenden Organismus verstanden, der sich nach und nach entwickle. «Es darf kein Dorf von Weißen werden, sondern ein Dorf von Afrika. Das muss man aushalten, bis es das wird.»

Die Schirmherrschaft hat der frühere Bundespräsident Horst Köhler übernommen. Die noch von Schlingensief gegründete gemeinnützige Trägergesellschaft wird inzwischen von seiner um 20 Jahre jüngeren Frau geführt. Kuratoren sind neben Rechtsanwalt Raue unter anderem die Hamburger Intendantin Amelie Deuflhard (Kampnagel), ihr Berliner Kollege Matthias Lilienthal (Hebbel am Ufer) und die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer.