Gelsenkirchen (dpa) - Die Schullaufbahn von Jungprofi Julian Draxler von Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 wird zum Politikum. Der 17 Jahre alte Fußballer muss laut NRW-Schulgesetz noch bis 2012 die Schulbank drücken.

«Die Rechtslage ist richtig. Er ist schulpflichtig bis zum Ende des Schuljahres, in dem er 18 wird», bestätigte die Sprecherin des Schulministeriums in Düsseldorf, Barbara Löcherbach, der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Schalke wollte zu dem vieldiskutierten Fall «keine Stellungnahmen» abgeben. Wo und wie Draxler seiner Pflicht nachkommt, ist aber nach wie vor unklar. Die «Bild»-Zeitung zitierte Magath mit den Worten. «Julian wird jetzt die Gesamtschule Berger Feld besuchen.»

Davon aber weiß der Direktor der Gesamtschule in Gelsenkirchen nichts. «Ich habe meine Hand schon vor seit längerer Zeit ausgestreckt und Julian angeboten, auf unsere Schule zu kommen. Aber ich müsste erstmal mit ihm und seinen Eltern reden. Bisher haben sie sich nicht gemeldet, um ein Aufnahmegespräch zu führen», sagte Georg Altenkamp der dpa. «Das ist aber notwendig, weil ich verantwortlich bin und mir ein Bild machen muss.»

Altenkamp ist Leiter der Gesamtschule unweit des Schalker Trainingsgeländes in Gelsenkirchen. Die DFB-Eltiteschule des Sports kooperiert mit zahlreichen Clubs, unter anderem dem FC Schalke 04. Viele bekannte Profis wie Nationalspieler Mesut Özil, Torhüter Manuel Neuer, Joel Matip, Benedikt Höwedes oder Nationalspielerin und U-20-Weltmeisterin Alexandra Popp büffelten hier für ihr Fachabitur oder das «Abi». «Wir sind prädestiniert dafür, dass Julian bei uns zur Schule geht und sein Talent weiterentwickelt», sagte Altenkamp, der das Schalker Verhalten eher «befremdlich» findet.

Magath war der Meinung, Draxler habe eine große Fußball-Karriere vor sich und brauche «in 15 oder 20 Jahren kein Abitur mehr». Nach mehreren Gesprächen hatte die Familie zugestimmt, dass der später zum Profi beförderte Draxler sich nach dem ersten Halbjahr in der Stufe 11 am Gladbecker Heisenberg-Gymnasium Ende 2010 beurlauben ließ. Dies hatte zahlreiche Kritiker, unter anderem DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf den Plan gerufen. «Trotz der Freude, die ich als Fußballbegeisterte an diesem jungen Talent habe, würde ich Julian Draxler empfehlen, einen ordentlichen Schulabschluss zu machen», sagte auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann.

Zuständig für den Fall Draxler sei die Bezirksregierung in Münster, erklärte Löcherbach. Die Familie war darauf hingewiesen worden, dass für Julian weiter eine Schulpflicht bestehe. Grund ist, dass er bereits in Sekundarstufe II angekommen ist.