Frankfurt/Main (dpa) - Ihren Namen hat die Kunsthalle Schirn ihrer Lage zu verdanken. Der weiße Neubau liegt inmitten eines historischen Quartiers, zwischen Römerberg und Dom. Im Mittelalter schritten die Kaiser während der Krönungszeremonie feierlich diesen Weg ab.

Am Randes dieses «Krönungsweges» verkauften Händler ihre Waren an offenen Verkaufsständen, sogenannten Schirnen. Ende Februar wird die Schirn 25 Jahre alt. Heute gibt es dort nichts zu kaufen, aber viel zu sehen. Rund 200 Ausstellungen mit insgesamt 5,5 Millionen Besuchern hat die Kunsthalle in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten gestemmt. Den meisten Zulauf hatten die Überblicksschauen - zum Beispiel über Wiener Jugendstil oder die Künstlerinnen des Impressionismus - oder Ausstellungen über weithin bekannte Maler wie den Expressionisten Wassily Kandinsky oder die Scherenschnitte von Henri Matisse.

Spannender sind in der Regel Themen-Ausstellungen, in denen es wenig Bekanntes zu sehen, aber viele Neues zu entdecken gibt. Herausragende Beispiele: «Shopping» über den Zusammenhang zwischen Kunst und Konsum»; «Film ohne Kamera» über Künstler, die Filme nicht drehen, sondern das Zelluloid bemalen, bekleben, verkratzen, verätzen; «Nichts» über Leere in der Kunst, «Kunstmaschinen» über Mal-Automaten oder zuletzt «Outsider» über die Werke Geisteskranker.

Die Schirn machte sich nicht nur einen Namen - sie machte auch Namen groß. Der Österreicher Max Hollein, der die Kunsthalle seit 2001 führt, wurde in diesem Job einer der bedeutendsten Ausstellungsmacher Europas. Weil er die Schirn so erfolgreich leitete, bekam er später zwei weitere Museen am Museumsufer dazu. Erster Direktor war Christoph Vitali (1986-1994), danach folgte Hellmut Seemann (1994-2001).

Gab es unter seinen Vorgängern auch mal Barockes zu sehen, konzentrierte sich Hollein ganz auf die Moderne. Eine Kunsthalle, findet Hollein, «sollte sich nicht als temporäres Museum verkleiden». Also weg von der Kunstgeschichte, rein ins pralle Leben. Er will «aktuelle Aspekte des Œuvres bedeutender Künstler aus einer zeitgenössischen Perspektive präsentieren» und versteht die Schirn als «Ort der Entdeckungen und Seismograph für brisante Entwicklungen in der bildenden Kunst».

«Wir könnten viel mehr Besucher haben, wenn wir wollten», sagte Hollein kürzlich mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein bei der Vorstellung des Schirn-Programms 2011. Aber mit massenwirksamen Ausstellungen über prominente Maler hält er sich bewusst zurück und macht lieber Ausstellungen über die «Jugend von heute» oder machte bei «Playing the City» die ganze Stadt zum Schauplatz von Kunstaktionen.

40 Jahre lang klaffte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Lücke in der Altstadt, bevor der Neubau von Bangert, Jansen, Scholz & Schultes die Lücke schloss. Das auffällige, 140 Meter lange und nur 10 Meter schmale Haus gefiel seinerzeit beileibe nicht jedem. Am verhasstesten war den Frankfurtern immer der sogenannte «Tisch», ein Bauteil irgendwo zwischen Balkon und Unterstand, der demnächst abgerissen werden soll. Unter ihm will die Frankfurterin Sandra Kranich am Donnerstag Funken sprühen lassen. Das siebenminütige Feuerwerk eröffnet die Jubiläumsausstellung «Surreale Dinge» mit Skulpturen und Objekten von Dalí bis Man Ray, die bis Ende Mai zu sehen ist.