Kassel (dpa) - Vanessa Neurath ist eigentlich ganz zufrieden. Auf der Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) hat sie eine sechs erreicht. «Mein Wert ist ganz gut, weil ich nicht rauche und wenig trinke», erzählt die 19-Jährige am Dienstag in Kassel.

Zusammen mit anderen Zwölftklässlern der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel wird sie ein Jahr lang regelmäßig durchleuchtet, ob sie ihre Lebensgewohnheiten ändert und gesünder lebt, wenn zum Beispiel nach einem Wochenende mit Alkohol und Nikotin die Untersuchungswerte schlechter werden. Dank der Forschung am Berliner Universitätsklinikum Charité und eines optischen Sensors gibt es nun schnelle Ergebnisse, es sind keine großen Untersuchungen mehr nötig.

Als Messgrundlage dienen sogenannte Anti-Oxidanzien im Schweiß. Wenn diese negative Einflüsse auf die Haut wie Rauchen, Alkohol und schlechtes Essen, aber auch zu wenig Schlaf, Stress und UV-Strahlung «bekämpfen», sinkt ihr Wert. Mit einem Sensor, der am Handballen berührungslos die Anti-Oxidanzien misst, kann bereits zwei Tage später herausgefunden werden, wie sich die Haut zum Beispiel nach einem Zechgelage verschlechtert hat. Das System messe allerdings nur den Gesamtzustand der Haut und könne nicht zwischen einzelnen negativen Faktoren unterscheiden, betont Professor Jürgen Lademann von der Charité am Dienstag. Dort werden die Messdaten ausgewertet.

«Die Studie ist ein guter Anlass, sich noch besser zu ernähren und mehr Sport zu treiben», erzählt Schülerin Vanessa Neurath zum Start der Untersuchung. Die regelmäßigen Messungen seien motivierend, wie auch vor allem der Vergleich mit Freunden. Den nächtliche Fastfood-Burger weglassen, aufhören zu rauchen oder ein Glas Alkohol weniger trinken - das kommt dank der Studie auch für Stephan Mildenberger infrage. «Ich werde das ausprobieren», sagt der 19-Jährige.

«Die Schüler werden sehen, dass sich ihr Lebensstil eindeutig in den Werten widerspiegelt. Es ist eine Kommunikation mit dem Körper, die Spaß macht», betont Lademann. «Wir hoffen, dass die Schüler durch so einen «Spiegel», der ihnen vorhalten wird, ihr Handeln überdenken.» Die Charité hat das medizinische Verfahren entwickelt, der Sensor stammt von einem Unternehmen aus Kassel.

Das System sei in vielfältigen Einsatzgebieten denkbar, berichtet Wolfgang Köcher, Technischer Geschäftsführer der Opsolution GmbH, die den Sensor entwickelt hat. Es könne damit zum Beispiel auch die Ausdauerleistungsfähigkeit abgelesen werden, für die sonst eine umfangreiche Untersuchung beim Arzt nötig ist. Zudem könne der Sensor erkennen, ob ältere Menschen genug trinken.