Peterborough/Oberursel (dpa) - Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook ächzt unter den Folgen der politischen Unruhen in Nordafrika. Die Kosten für ausgefallene Reisen und Rückholaktionen dürften sich in den Monaten Januar bis März auf rund 20 Millionen britische Pfund (24 Mio Euro) summieren.

Das sagte Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa am Dienstag bei der Vorlage des Quartalsberichts. Im Wintergeschäft fällt es zudem schwer, den Kunden Alternativziele in ähnlicher Flugentfernung anzubieten. Einzig die kanarischen Inseln bieten ähnlich stabile Wetterbedingungen, so dass Thomas Cook (Neckermann, Condor, Öger) dort wie die Konkurrenz auch zusätzliche Hotels angemietet hat und mehr Flüge offeriert.

Auf der Insel Gran Canaria würden die Hotelbetten bereits knapp, sagte Fontenla-Novoa, und wegen der anziehenden Nachfrage stiegen die Preise. Es sei die Frage, welchen Teil der Preiserhöhungen man an die Kunden weitergeben könne.

Die Nordafrika-Ziele Ägypten und Tunesien sind für den deutsch-britischen Reisekonzern kein Randgeschäft. Sieben Prozent des Konzernumsatzes stammten aus Reisen in diese Länder, sagte Fontenla-Novoa. Bei den Pauschalreisen sei es sogar ein Zehntel. «Das ist ein bedeutender Anteil», sagte der Manager. «Wir arbeiten sehr hart daran, die Belastung aufzufangen.» Ein Übergreifen der Unruhen auf andere wichtige Tourismuszentren sehe er nicht.

Derzeit finden kaum Reisen in die Region statt. Lediglich aus Großbritannien bringt Thomas Cook noch Urlauber ans Rote Meer. Dort sei «alles sehr normal», sagte Fontenla-Novoa. Er setzt auf eine baldige Stabilisierung: «Die Lage verbessert sich, und wir hoffen, dass unser Geschäft dort ab Mitte oder Ende April wieder anläuft.» Auf dieser Grundlage seien auch die Verluste berechnet. Schneller könnte es in Tunesien gehen. Wenn der Ausnahmezustand aufgehoben werde, könne man Ende Februar oder Anfang März wieder Reisen nach Tunesien anbieten, sagte der Thomas-Cook-Chef.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2011 (Oktober bis Dezember 2010) konnte das Unternehmen von der anziehenden Nachfrage nicht profitieren. Wertberichtigungen und höhere Kreditkosten ließen den saisontypischen Verlust vor Steuern um ein Viertel auf 99 Millionen Pfund (117 Mio Euro) anschwellen. Reiseveranstalter schreiben im Winter in aller Regel rote Zahlen, weil sie ihre Kosten in dieser Zeit nicht decken können. Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein. Der Umsatz kletterte hingegen auch dank höherer Preise um 7 Prozent auf 1,8 Milliarden Pfund (2,1 Mrd Euro).

Für den Sommer 2011 ziehe die Nachfrage in allen Teilmärkten an, berichtete der Thomas-Cook-Chef. Selbst im krisengeschüttelten Großbritannien sei bei den Buchungen bis Ende Januar ein Plus von 6 Prozent zu beobachten, was aber vor allem auf einen steigenden All-Inclusive-Anteil mit höheren Preisen zurückzuführen sei. In Zentraleuropa mit Deutschland als größtem Teilmarkt stieg der Wert der Buchungen um 8 Prozent.