Hamburg (dpa) - Die deutsche Bauindustrie sieht im Sparzwang bei der Bundeswehr neue Geschäftschancen.

«Die Bundeswehr bietet sich als wichtiges Betätigungsfeld für öffentlich-private Partnerschaften an», sagte Peter Noé, Vorstand des Baukonzerns Hochtief und Chef des Arbeitskreises für solche Partnerschaften (ÖPP) beim Bauhauptverband, der «Financial Times Deutschland» (Dienstag). Für die Bundeswehr könne die Idee verlockend sein, privaten Unternehmen etwa die Renovierung und den Betrieb von Kasernen zu überlassen.

Weil der Staat bei solchen Partnerschaften die Investitionen zunächst den Unternehmen aufbürdet, sind seine Ausgaben anfänglich gering. In den Folgejahren fallen dann Gebühren für die Dienste der Baufirmen an. Bisher hat die Bundeswehr laut dem Bericht ein ÖPP-Projekt umgesetzt, die Renovierung der Fürst-Wrede-Kaserne in München, die Hochtief für knapp 170 Millionen Euro übernahm. Das Geschäft könnte Schwung bekommen, wenn ab 2012 im Zuge der Bundeswehrreform Entscheidungen über Standorte gefallen seien, wurde Noé zitiert.

Dem Manager zufolge soll sich das Engagement der Firmen nur auf den immobilienwirtschaftlichen Teil der Kasernen erstrecken, etwa Haustechnik und Hausmeisterarbeiten, Pflege der Grünflächen oder Kantinenbetrieb. In einem sensiblen Bereich wie der Bundeswehr könnten Privatisierungen sonst großes Misstrauen wecken.

Noé räumte allerdings ein: «Wir haben ein enttäuschendes Jahr bei neuen Projekten in öffentlich-privater Partnerschaft erlebt. 2010 war ein Tiefpunkt». Nur 27 Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 540 Millionen Euro seien realisiert worden. Damit sei das Geschäft auf den Stand von 2005 zurückgefallen. Zudem wurde laut dem Bericht erst kürzlich die geplante Privatisierung von Bundeswehrlagern abgesagt.