Hannover (dpa) - «Watson» lässt die Drähte glühen. Wenn der Computer ein Problem löst, zeigt sein Avatar, also sein visueller Stellvertreter als vielfarbige Kugel, wild umherlaufende Linien und aufleuchtende Punkte.

Zwei Wochen nach dem Erfolg des Systems in der amerikanischen Quiz-Show «Jeopardy» steht eine kleinere Ausgabe von «Watson» auf der CeBIT Rede und Antwort. Besucher fragen: Kann ein Computer intelligenter sein als der Mensch? Experten antworten mit einem klaren Nein.

Der nach dem nach dem langjährigen IBM-Chef Thomas Watson benannte Computer erschließe das in Unmengen von Texten verfügbare Wissen der Welt in einer natürlichen Sprache, erklärt der IBM-Entwickler Thomas Hampp-Bahnmüller. «Das allein ist genial und man kann sich kaum vorstellen, für was sich das alles nützen lässt.» Das System könnte in der Medizin eingesetzt werden oder auch die Rolle einer Antwortmaschine übernehmen, welche die bisherigen Suchmaschinen ablöst.

Das Besondere an «Watson» sind nicht die 2880 Prozessoren mit einer Taktrate von 3,55 Gigahertz und auch nicht der Arbeitsspeicher von 15 Terabyte. «Das kann sich jede größere Firma leisten, in der Rangliste der Supercomputer würde er nicht auftauchen», erklärt Hampp-Bahnmüller, der zwei Jahre lang im «Watson»-Forschungslabor in Yorktown Heights nördlich von New York an der Entwicklung der «Watson»-Software mitgewirkt hat. «Und mehr Hardware macht das Ding zwar schneller, aber nicht besser.»

Nein, die eigentliche Leistung besteht im Austüfteln der Software, um aus unstrukturiertem Text, also Text ohne das präzise angepasste Korsett einer Datenbank, die für eine bestimmte Problemstellung benötigte Antwort herauszuziehen. «Wir haben Shakespeare eingegeben, die Wikipedia und die "New York Times", die Bibel, einfach alles», erklärt der IBM-Entwickler, insgesamt 200 Millionen Buchseiten.

So lernt «Watson»: Ein Parser, also eine Art Lese-Software, wühlte sich durch die Textmassen. Ein sogenannter Syntax-Baum wurde erstellt, der die Beziehungen zwischen den Wörtern angibt. Außerdem erfolgte eine semantische Analyse, also die Untersuchung der Bedeutung. Die Ergebnisse wurden nach verschiedenen Richtungen bewertet: Wie verlässlich ist eine Quelle? Und wie populär ist sie?

Seine künstliche Intelligenz verbessert sich mit seiner künstlichen Dummheit: Aus einer falschen Antwort werden Konsequenzen gezogen, indem das Bewertungssystem angepasst wird, mit dem «Watson» eine Rangliste für die 200 ermittelten Antwortmöglichkeiten erstellt.