Mannheim (dpa) - Vom Landesvater zum Topmanager bei Bilfinger Berger: Der frühere hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch hat am Dienstag seinen Posten als Vorstandsmitglied beim zweitgrößten deutschen Baukonzern angetreten.

Koch habe am Morgen sein Büro bezogen, sagte ein Unternehmenssprecher. «Es ist ein ganz normaler erster Arbeitstag». Koch, der elf Jahre lang die hessische Regierung führte, soll ab Juli den Mannheimer Konzern als Vorstandschef führen. Der 52-Jährige übernimmt ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen, aber auch die Affäre um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs, dessen Ursache immer noch nicht aufgeklärt ist.   Der CDU-Politiker, den Wirtschaft immer gereizt hat, hatte Ende Mai 2010 überraschend angekündigt, alle politischen Ämter aufzugeben. Koch folgte damit dem Beispiel anderer prominenter Politiker wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dieser hatte unmittelbar nach seiner Wahlniederlage 2005 den Aufsichtsratsvorsitz bei der von Gazprom dominierten Ostsee-Pipeline übernommen und musste dafür heftige Kritik einstecken.

Den Wechsel Kochs in die Vorstandsetage sehen Aktionärsschützer dagegen eher positiv. Eine größere Durchlässigkeit zwischen Politik und Wirtschaft sei prinzipiell wünschenswert, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Entscheidend sei die Kompetenz. Als Aufsichtsratschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport habe Koch «sehr kundig und umsichtig» agiert.   Bilfinger Berger hatte im vergangenen Jahr seinen Gewinn auf 284 Millionen Euro verdoppelt. Vorstandschef Herbert Bodner, der im Sommer in den Ruhestand geht, hatte den konjunkturabhängigen Baubereich zurückgefahren und das Dienstleistungsgeschäft des im MDax notierten Konzerns deutlich ausgebaut. Inzwischen stammen 80 Prozent des Umsatzes von mehr als acht Milliarden Euro aus dem Dienstleistungsbereich.