Oslo (dpa) - Das Verbot der neuen Skibindung von Vizeweltmeister Tino Edelmann durch den Weltverband FIS hat für Frust und Empörung im Lager der deutschen Nordischen Kombinierer gesorgt.

24 Stunden vor der dritten Entscheidung bei den Weltmeisterschaften in Oslo im Einzel auf der Großschanze teilte die FIS mit, dass die Bindung nicht zugelassen sei. «Was die mit uns veranstaltet haben, ist eine Farce und sehr, sehr ärgerlich», schimpfte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Schon im Einzel- und im Teamwettbewerb auf der Normalschanze war Edelmann mit der Bindung gesprungen. Einen Protest des späteren Weltmeisters Österreich hatte die FIS abgelehnt. Dennoch sollte Edelmann sein Material am am nächsten Tag erneut prüfen lassen. «Wir sind zu 8.00 Uhr an die Schanze bestellt worden, doch vom technischen Komitee der FIS ist niemand erschienen», berichtete Weinbuch. «Stattdessen haben sie uns eine SMS geschickt. Für Tino ist das ein großer Nachteil, weil jetzt die Feinabstimmung fehlt», fluchte der 50-Jährige.

Der Chefcoach hatte Edelmanns Bindung, bei der eine bisher starre Platte unter den vorderen Backen durch eine variable ersetzt wurde, im Sommer gemeinsam mit einem befreundeten Feinmechaniker entwickelt. Dies sorge für mehr Sicherheit, so Weinbuch.

Nach Ansicht des Deutschen Skiverbandes (DSV) handelt es sich um eine Weiter- und keine Neuentwicklung, die im Regelwerk untersagt ist. Die FIS sah dies nach einem tagelangen Zick-Zack-Kurs am Ende anders. «Diese Entscheidung ist für uns unglücklich und schwer nachvollziehbar. Sie hat für uns einen faden Beigeschmack», kritisierte der Sportliche Leiter Horst Hüttel. «Wir sehen aber keine Chance, sie noch einmal zu kippen.»

Auch Weinbuch will die Sache in Oslo auf sich beruhen lassen, um die Konzentration bei der Jagd nach weiterem Edelmetall nicht noch mehr zu stören. «Ich muss auf Tino schauen. Es beschäftigt ihn schon und tut ihm auch weh, denn er hat seit Sommer viel Zeit in die Tests investiert. Aber er ist in so guter Form, dass wir das hinkriegen. Wir wollen hier noch die eine oder andere Medaille holen», sagte der Bundestrainer.

Edelmann zeigte sich im Training am Dienstag unbeeindruckt. «Salopp ausgedrückt war er etwas angepisst. Er hat die alte Bindung draufgeschraubt und ist zweimal super gesprungen. Da haben einige auf dem Turm nicht schlecht geguckt», berichtete Sprungtrainer Andreas Bauer. Mit Weiten von 127,5 und 129,5 Meter kam Edelmann auf die Ränge sechs und drei. «Ich bin im Endeffekt der Betroffene, aber was soll ich mich in die Diskussionen einmischen. Es wäre Blödsinn, wenn ich mich da aufreibe», sagte er.