Düsseldorf (dpa) - «Lucy» war bei jungen Mädchen sehr beliebt. Rund 500 von ihnen kontaktierte sie im Internet, schlich sich in ihr Vertrauen und schaffte es irgendwie, die Mädchen dazu zu bewegen, Nacktbilder von sich zu schicken.

Dann war es um die Minderjährigen geschehen. Denn hinter Lucy verbarg sich Horst, über 50 Jahre alt, der die Mädchen mit den Fotos erpresste und die Bilder in deren Bekanntenkreis herumschickte.

Die Internet-Polizeiwache des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) konnte Horst schließlich enttarnen und dingfest machen. Seit vier Jahren gibt es die zehnköpfige Taskforce des LKA - seither hat sie im Internet mehr als 3000 Straftaten aufgedeckt und 1800 Verdächtige ermittelt.

67 teils schwere Fälle von Kindesmissbrauch, 77 Fälle von illegalem Arzneimittelhandel, 277 politisch motivierte Straftaten und 717 Fälle von Kinderpornografie deckte die Zentrale Internetrecherche auf. Nach LKA-Angaben ist es die größte Dienststelle dieser Art bundesweit. Die Beamten bewegen sich in Tauschbörsen und Blogs, surfen in sozialen Netzwerken und Chat-Foren. Ihre teilweise selbstentwickelten Recherche-Programme scannen Unmengen von Daten auf verdächtige Begriffe und Codewörter.

Wenn die Cyber-Kripo auf Streife geht, ist sie oft verdeckt unterwegs. Die IP-Adresse (Internet Protokoll) ist dabei auf der Datenautobahn als Beweismittel so wichtig wie das Auto-Kennzeichen auf den richtigen Straßen. Und da haben für die Internet-Polizisten vor einem Jahr die Schwierigkeiten begonnen. Seit das Bundesverfassungsgericht die bisherige Speicherung der Kommunikationsdaten verboten hat, ist die Aufklärungsquote von 90 auf 60 Prozent gefallen.

139 Fälle von Kinderpornografie im Internet blieben deswegen allein in einem Jahr ungesühnt. Viele Zugangsanbieter, Provider genannt, rücken die IP-Adressen nicht mehr heraus oder haben sogar aufgehört, sie zu speichern. «Ein unhaltbarer Zustand», findet NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) und sieht sich mit seinen 15 Länderkollegen einig: Die Rechtslücke müsse geschlossen und eine Mindestdatenspeicherung beschlossen werden.

Bislang gelang es der Internet-Taskforce, auch schwere Fälle von Kindesmissbrauch aufzuklären: Einem 47-Jährigen konnten die Internet-Kriminalisten 250 Missbrauchsfälle nachweisen. Das Martyrium eines 16 Jahre alten Mädchens endete dadurch nach vier langen Jahren. Ein 34-Jähriger missbrauchte seine Tochter von ihrem achten Lebensjahr an und seine Stieftochter, seit diese zwölf war. Er flog auf, weil die LKA-Internet-Einheit seinem Kinderporno-Tauschring auf die Spur kam. «Es ist gut, dass der Papa weg ist», habe eines der Kinder gesagt.