Karlsruhe (dpa) - Trainer Uwe Rapolder hatte sich mal wieder nicht im Griff - und der Karlsruher SC steht vor einem Scherbenhaufen. Der abstiegsbedrohte Fußball-Zweitligist hat sich im Zuge der «Stinkefinger»-Affäre nach nur gut drei Monaten von dem 52-Jährigen getrennt.

Damit hat der KSC den zweiten Trainerwechsel in dieser Saison vollzogen. Als Grund für die Freistellung «in beiderseitigem Einvernehmen» nannte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther neben dem drohenden Abstieg des Tabellen-16. die schwierige Kommunikation mit dem häufig forsch auftretenden 52-Jährigen. «Es ist die Gesamtheit, die dazu geführt hat», meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Der badische Traditionsverein hofft, bereits an diesem Mittwoch einen Nachfolger präsentieren zu können. «Mit ihm werden wir den Rest der Saison bestreiten», kündigte Wellenreuther an. Einen Namen wollte er noch nicht nennen, sagte aber zehn Spieltage vor Saisonende: «Er muss wieder Begeisterung und Teamgeist in die Mannschaft bringen.» Sind die Verhandlungen wie erwartet erfolgreich, dürfte der neue Coach schon im Spiel beim Aufstiegskandidaten VfL Bochum am Samstag auf der Bank sitzen. In der zweiten Liga ist in Rapolder der fünfte Trainer in dieser Saison gefeuert worden.

«Das Präsidium sah sich schon in der Vergangenheit mehrmals in der Situation, dass es den Trainer verteidigen musste», sagte Wellenreuther mit Blick auf den als sportlich sehr kompetent, aber auch cholerisch geltenden Fußball-Lehrer. Nun brachte offenbar ein Eklat während des 1:4-Heimdebakels gegen den Tabellenvorletzten FC Ingolstadt 04 das Fass zum Überlaufen. Rapolder beleidigte angeblich einen Zuschauer auf der Haupttribüne des Karlsruher Wildparkstadions mit dem gestreckten Mittelfinger.

Der frühere Bundesliga-Trainer von Arminia Bielefeld und des 1. FC Köln gab den Vorgang zwar nicht zu und Wellenreuther konnte ihn nach eigenem Bekunden nicht beweisen. «Es gab aber heftige Reaktionen von Vereinsgremien und Zuschauern», sagte der sichtlich angeschlagene Wellenreuther.

«Dies aufzulösen wäre zwar möglich gewesen. Aber der Aufwand und die Energie wäre der Konzentration auf unser eigentliches Ziel Klassenerhalt im Wege gestanden.» Rapolder habe «offenbar bei vielen Menschen wenig Kredit» gehabt. «Das hat sich jetzt so hochgeschaukelt, dass wir es als eine gefährliche Situation für die Mannschaft bewertet haben», betonte Wellenreuther.

Die Karlsruher hatten den erfahrenen Coach erst am 22. November als Nachfolger des Ende Oktober beurlaubten Markus Schupp verpflichtet. Doch unter Rapolder kam der KSC trotz sieben Neuverpflichtungen in der Winterpause keinen Schritt voran. Er übernahm die Karlsruher auf dem Relegationsplatz 16 - und verlässt sie auf dem gleichen Rang. In den vergangenen vier Zweitliga-Partien kassierten die Karlsruher 14 Gegentore, zehn davon in den beiden Heimspielen gegen Hertha BSC (2:6) und nun gegen Ingolstadt.