OPPOSITION:

SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Kanzlerin Merkel schwere Fehler in der Affäre vor. Sie habe in der Bewertung die moralische Orientierung verloren, erklärte er in Idstein bei Wiesbaden: «Sie muss wissen, dass Minister nicht über dem Gesetz stehen.»

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier äußerte Zweifel, dass Guttenberg in die Politik zurückkehren könnte. «Wenn er auf die gehört hätte, die ihm vor vierzehn Tagen empfohlen haben, jetzt einen Weg zu wählen, der ihm nach den Wahlen 2013 einen Wiedereinstieg in die große Politik ermöglicht, dann Ja», sagte Steinmeier der «Stuttgarter Zeitung». «Jetzt, nachdem er seine eigenen Reden über Ehre und Anstand jeden Tag Lügen gestraft hat, kann ich mir das nicht vorstellen.»

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, sie hätte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erwartet, dass Guttenberg seine Doktorarbeit durch Betrug erlangt habe. «Bis zuletzt verweigert er sich aber den kritischen Fragen der Medien», so Roth. Die Grünen-Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast sprachen von einer «Riesenblamage» für Merkel, da sie versucht habe, den Minister Guttenberg vom fehlerhaften Wissenschaftler zu trennen.

Für Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sind trotz des Rücktritts die Folgen des Versuchs von Guttenberg, aber auch von Kanzlerin Merkel, das Ganze herunterzuspielen, «verheerend für das Ansehen der Politik der Bundesregierung und für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland». Der Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz sei schwerwiegend verletzt worden.

MINISTERPRÄSIDENTEN:

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einer «überfälligen Konsequenz» Guttenbergs. «Die Kanzlerin ist offensichtlich völlig überrollt worden von diesen Geschehnissen. Sie hat ihre Personalpolitik in keiner Weise mehr selber in der Hand», kritisierte er. Beck forderte, die Bundeswehrreform um ein Jahr zu verschieben. «Denn sie ist unzureichend vorbereitet, dass man nicht verantworten kann, sie übers Knie gebrochen umzusetzen», sagte Beck.