Tokio (dpa) - Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der verheerende Tsunami haben in Japan wohl Zehntausende Menschen in den Tod gerissen und das Land in eine atomare Katastrophe gestürzt. Am Sonntag fiel in einem dritten Kernkraftwerk das Kühlsystem aus, für zwei Anlagen galt Atomalarm.

In der schwer beschädigten Anlage Fukushima droht nach widersprüchlichen Informationen über eine Kernschmelze in zwei Reaktoren laut Experten auch Gefahr durch hochgiftiges Plutonium.

Derweil steigt die Zahl der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis in Japan immer weiter: Die Behörden identifizierten bis Sonntagabend (Mitteleuropäische Zeit/MEZ) 1597 Opfer. 1481 Menschen gelten nach Angaben der nationalen Polizeiagentur offiziell noch als vermisst. Hinzu kommen 200 bis 300 Opfer, die an der Küste der Präfektur Miyagi gefunden wurden. Doch der Polizeichef ging dort von weit höheren Opferzahlen aus, da man immer noch keinen Kontakt mit mehr als zehntausend Einwohnern habe.

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete, versagte eine Pumpe für das Kühlsystem im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) den Dienst. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, sie hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet. Am Sonntag wurde zudem für das AKW Onagawa der nukleare Notstand ausgerufen. Berichte über Kernschmelzen in den Reaktoren 1 und 3 der Atomanlage Fukushima Eins schürten die Angst vor einem Super-GAU.

Ein Regierungssprecher dementierte am Sonntag seine Angaben, wonach es auch im Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima Eins eine «teilweise» Kernschmelze gegeben habe. Wie bereits am Reaktor 1 sei am Reaktor 3 die Kühlfunktion ausgefallen, erklärte Yukio Edano. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen. Dass es im Reaktor 1 schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde dagegen für sehr wahrscheinlich. Der Evakuierungsradius wurde auf 20 Kilometer um das Kernkraftwerk ausgeweitet.

In Fukushima pumpten die Rettungskräfte Salzwasser in den überhitzten Reaktor 3. Die Brennstoffstäbe seien inzwischen wieder im Wasser, sagte der Sprecher. Es könne sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach des Reaktors angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Block Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor 3 dem widerstehen.

Im AKW Onagawa mit drei Reaktoren soll indes nach Experten-Darstellung keine Radioaktivität ausgetreten sein. Die in der Gegend gemessene Radioaktivität über dem Grenzwert könnte vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA in Wien am Abend mit. Inzwischen seien die Werte rund um das Werk wieder auf normalem Niveau.