Tokio (dpa) - Wegen des schweren Erdbebens in Japan und seiner Folgen hat die Internationale Eislauf-Union (ISU) die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio vom 21. bis 27. März zunächst verschoben.

Zu einer definitiven Absage der Titelkämpfe in Asien oder einer Verlegung in ein anderes Land konnte sich der Verband aber nicht durchringen. «Wir müssen das ganz vorsichtig behandeln. Die Japaner haben die WM selbst abgesagt, das ist wichtig für die Rechtslage, denn wir haben auch Verträge einzuhalten», sagte ISU-Eventmanager Peter Krick der Nachrichtenagentur dpa.

Angesichts des unendlichen Leides der Betroffenen in Japan könne man so eine Veranstaltung nicht einfach in ein anderes Land geben. «Man kann nicht so zur Tagesordnung übergehen. Natürlich gibt es Verbände, die ad hoc einsteigen würden», sagte Krick, der aber auch organisatorische Probleme sieht, in kurzer Zeit so ein Event vorzubereiten. Die japanischen Organisatoren müssten zunächst überprüfen, ob die Stromversorgung für eine mögliche Verschiebung des Events ausreiche und die Sicherheitslage es zulasse. «Bisher ist unsere ganze Technik noch in Tokio», erklärte Krick.

Diskutiert werde derzeit eine WM in Yokohama, wo die Team-Trophy vom 14. bis 17. April stattfinden sollte. In der nur wenige Kilometer von Tokio entfernten Stadt könnten beide Wettbewerbe zusammengelegt werden. Die ISU will den Mannschaftswettbewerb wegen der wahrscheinlichen Aufnahme ins olympische Programm sowieso bald in die WM integrieren. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) reagierte überrascht auf die Gedankenspiele. «Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen», sagte DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz der dpa.

Aus Respekt vor den Japanern wolle man das Championat nicht einfach verlegen: Erst, wenn alles geklärt ist, denkt man über Alternativen oder eine Absage nach. Das Ganze könne noch zwei Wochen dauern. «Ich würde erstmal weitertrainieren», riet Krick den Athleten, «die Eishockey-Spieler haben ihre WM auch erst im Mai.»

Außerhalb von Kriegszeiten hat die ISU bisher nur einmal, vor genau 50 Jahren, eine WM abgesagt, nachdem bei einem Flugzeugabsturz in Brüssel am 15. Februar 1961 das gesamte US-Nationalteam auf dem Weg nach Prag ums Leben gekommen war.

«Das ist völlig richtig, dass man in solch einer Situation angesichts der menschlichen Tragödie nicht so tut, als wäre nichts gewesen und eine WM stattfinden lässt», sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der dpa.