Tripolis/Kairo/New York (dpa) - Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat das diplomatische Tauziehen um eine Flugverbotszone zu massiven Luftangriffen auf seine Gegner genutzt.

Neue Bombardements wurden sowohl aus der östlichen Küstenstadt Brega als auch aus Adschdabija gemeldet, einer strategisch wichtigen Stadt etwa 160 Kilometer südlich der Rebellen-Hochburg Bengasi. «Gaddafis Truppen rücken weiter vor und es sieht so aus, als gingen die Kämpfe weiter und rückten immer näher an Bengasi heran», meldete der arabische Sender Al-Dschasira. In New York beriet der Weltsicherheitsrat auf Drängen der Arabischen Liga erstmals über ein Flugverbot für Libyen. Diplomatische Kreise schlossen eine Entscheidung noch am Montag aus.

Hinter geschlossenen Türen ging es in New York um Nutzen, Grenzen und Durchsetzbarkeit eines Flugverbots. Es gebe viele Fragen, die niemand beantworten könne, sagte der libanesische UN-Botschafter Nawaf Salam anschließend vor Journalisten. Libanon, das derzeit als einziges arabisches Land im Sicherheitsrat sitzt, hatte am Montag offiziell beantragt, den Luftraum über Libyen zu sperren. Die Reaktion des Weltsicherheitsrates war sehr gemischt, wie es aus diplomatischen Kreisen hieß.

Der Libanon will jetzt mit Großbritannien und Frankreich den Entwurf für eine Resolution ausarbeiten. Derweil drängt Deutschland darauf, die Sanktionen gegen Gaddafi und seine engsten Vertrauten zu verschärfen. «Unsere Augen ruhen nun auf dem Weltsicherheitsrat», sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nach einer Unterredung mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, in Kairo.

Bei ihrem Vormarsch Richtung Osten wurden die Truppen Gaddafis auch am Montag von Kampfflugzeugen unterstützt. Al-Dschasira berichtete aus der Rebellenhochburg Bengasi im Osten des Landes, möglicherweise stehe die entscheidende Phase diese Konflikts bevor. Angeblich bot Gaddafi den Rebellen eine Amnestie an, die ihre Waffen niederlegen, wie das libysche Staatsfernsehen berichtete.

Zuvor hatten die Aufständischen von einer Rückeroberung der Stadt Brega in der Nacht zuvor berichtet. Dabei hätten sie Dutzende Soldaten der Regimetruppen gefangen genommen. Der tatsächliche Frontverlauf blieb später aber unklar.

Die Luftangriffe der Gaddafi-Truppen bedeuten für die nur leicht bewaffneten Regimegegner einen bedeutenden strategischen Nachteil. «Wir brauchen Waffen von der internationalen Gemeinschaft, um Gaddafi bekämpfen zu können», sagte der Rebellen-Kommandeur Mohammed Abdelrahim in Bengasi der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. «Stattdessen sieht die Welt zu, wie dieser Kriminelle sein Volk abschlachtet.»