Berlin (dpa) - Der Atomunfall im japanischen Fukushima ist nach Ansicht des Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, nach allen vorliegenden Erkenntnissen nicht mit der Katastrophe von Tschernobyl vergleichbar.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur berichtet König über Strahlenschutzmaßnahmen in Deutschland. So ist eine hochsensible Feinstspurenanalysen-Anlage auf dem Schauinsland bei Freiburg in der Lage, das Aufschneiden von Brennelementen in der 700 Kilometern entfernten französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague festzustellen.

Herr König, Wie bewerten Sie, auch wenn es aus der Ferne schwer ist, die Lage im Atomkomplex Fukushima?

König: «Was mit allen Mitteln verhindert werden muss, ist, dass es zu einer unkontrollierten Freisetzung von Radioaktivität in großem Maße kommt. Dieses wäre der Fall, wenn das Containment, der Reaktordruckbehälter und der Sicherheitsbehälter zerstört würden. »

Was ist in einem solchen Fall zu tun?

König: «Was genau zu tun ist, können nur die Experten vor Ort entscheiden. Die grundsätzliche Möglichkeit ist, als kurzfristige Maßnahme in entsprechenden Umkreisen um die Kraftwerke die Evakuierung vorzunehmen. Das ist ja auch bereits angeordnet worden. Und zweitens kann man in einem weiteren Umkreis durch die Ausgabe von Jodtabletten ein Schädigungspotenzial minimieren, das durch das freigesetzte radioaktive Jod entstehen kann, nämlich als Folge Schilddrüsenkrebs. Dieses ist möglich, indem man mit nichtradioaktiven Jodtabletten die Schilddrüse so blockiert, dass sie die radioaktiven Jodteilchen nicht aufnehmen kann. Jod hat eine kurze Halbwertzeit von acht Tagen, so dass es eine Möglichkeit ist, hier auch präventiv in solch akuten Situationen tätig zu werden.»

Was wurde für die Sicherheitsmaßnahmen aus Tschernobyl gelernt?