Chanty-Mansijsk (dpa) - Den WM-Stress nach dem unglaublichen Staffel-Gold wegtanzen, dann nach Oslo fliegen und doch noch den Weltcup gewinnen - nach den tollen Tagen von Chanty-Mansijsk ist die große Biathlon-Kristallkugel für Magdalena Neuner nicht mehr völlig unerreichbar.

«Theoretisch ist es möglich, aber ...», sagt Ricco Groß. Der Bundestrainer legte die Betonung auf das Wörtchen «aber». Denn das Weltcup-Finale in Oslo wird zu einem Dreikampf der Sibirien-Weltmeisterinnen Kaisa Mäkäräinen (Finnland/914 Punkte), Helena Ekholm (Schweden/907) und Magdalena Neuner (854). Allerdings mit klaren Vorteilen für die beiden Nordeuropäerinnen.

Doch vor der Weiterreise zum Holmenkollen stand erst einmal die große WM-Party in einer Diskothek an, ehe es am Montag mit dem Charterflugzeug weiter nach Norwegen ging. Mit dem Sprint, dem Verfolgungsrennen und dem Massenstart-Wettkampf wird dann die nacholympische Saison auch bei den Biathleten beendet.

«Ich mag diese März-Rennen eigentlich ganz gern. Viele sind halt oft schon müde und können vielleicht nicht mehr die Leistung abrufen wie noch im Dezember oder im Januar. Da ist bei mir oft noch ein bisschen mehr Kraft vorhanden», sagte Weltcup-Titelverteidigerin Neuner nach ihren WM-Erfolgen in Russland.

Auf Mäkäräinen und Ekholm trifft das allerdings nicht zu, denn die Finnin gewann Gold in der Verfolgung und Silber im Sprint, einmal vor und einmal hinter der nun zehnmaligen Weltmeisterin Neuner. Ekholm sicherte sich den Titel im Einzel-Wettkampf und Bronze im Jagdrennen.

Vor den letzten drei Wettbewerben des nacholympischen Winters hat Neuner den Rückstand in der Gesamtwertung von mehr als 100 Punkten vor der WM auf nun nur noch 60 Zähler reduziert. In den vier ebenfalls zur Weltcup-Wertung zählenden WM-Rennen sammelte die zweimalige Weltcup-Gesamtsiegerin 214 Punkte. Mäkkäräinen holte 170 Zähler, Ekholm kam auf 184. Für einen Weltcupsieg gibt es 60 Punkte. Aber: Ein einziger Blackout der beiden Rivalinnen - und es könnte für Neuner reichen. Streichergebnisse gibt es in diesem Winter nicht mehr, so dass die Rechnung für alle einfach geworden ist.

Für Magdalena Neuner freilich ist diese durchaus kontrovers diskutierte Neureglung alles andere als ein Vorteil, hatte sie doch in dieser Saison an insgesamt vier Rennen nicht teilnehmen können. «Ich war oft durch Krankheiten gebeutelt, aber jetzt vor der WM konnte ich wieder richtig trainieren. Das macht sich bemerkbar», sagte sie.