Frankfurt/New York (dpa) - Weltweit geraten die Börsen im Sog der Panikverkäufe in Tokio unter Druck. Eine Panik an den wichtigsten europäischen Börsen sowie einigen Schlüsselmärkten in Asien blieb nach dem verheerenden Erdbeben in Japan aber aus.

Zwischenzeitlich schafften einige europäische Indizes am Montag sogar den Sprung ins Plus, bevor sie dann doch in die Verlustzone abrutschten. Der Nikkei-225-Index erlebte in Tokio den größten Kursrutsch seit Oktober 2008, die Börsen in China, Hongkong und Südkorea legten dagegen zu. Der Dow Jones in New York lag zum europäischen Handelsschluss um rund ein Prozent im Minus.

Die Naturkatastrophe in Japan sowie die Unfälle in den Atomkraftwerken beeinflussten das weltweite Börsengeschehen maßgeblich. «Das Erdbeben und seine Folgen könnten sich negativ auf das gesamte weltwirtschaftliche Wachstum auswirken», sagte ein Marktexperte. Selbst eine globale Rezession schlossen einige Marktteilnehmer nicht gänzlich aus. Die japanische Notenbank stellte den Banken eine Rekordsumme von 15 Billionen Yen (rund 130 Milliarden Euro) an kurzfristiger Notfall-Liquidität zur Verfügung.

Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch erklärten die eher besonnene Reaktion der Anleger mit der weltwirtschaftlichen Bedeutung Japans. Das Land spiele heutzutage nicht mehr die zentrale Rolle wie noch 1995, dem Jahr des Erdbebens in Kobe. Entsprechend hätten zwar andere asiatische Märkte nach der Katastrophe zunächst nachgegeben, sich aber vergleichsweise schnell erholt.

In Europa verbuchte der Dax unter den führenden Indizes die größten Verluste. Der deutsche Leitindex rutschte um 1,65 Prozent auf 6866,63 Punkte ab. Chefhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser betonte, angesichts des starken Einbruchs an der Tokioter Börse hielten sich die Verluste noch einigermaßen in Grenzen. «Viele hatten auch hierzulande am Morgen zunächst gezittert und mit schlimmen Einbußen am deutschen Markt gerechnet. Insofern sind die Verluste zum Handelsschluss fast schon wieder als moderat zu bezeichnen.» Japans Leitindex Nikkei war am ersten kompletten Handelstag nach dem Erdbeben und dem Tsunami um mehr als 6 Prozent abgestürzt.

Vor allem die unsichere Lage um die beschädigten japanischen Kernkraftwerke und die damit einhergehende Diskussion um die Sicherheit der Kernkraft lasteten auf den schwer gewichteten Versorgerwerten Eon und RWE. Sie gaben auch europaweit überdurchschnittlich nach - ebenso die Versicherungstitel wie Munich Re, Hannover Rück oder Swiss Re.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nun die längeren Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke für drei Monate aussetzen. «Die Branche dürfte unter Druck bleiben, nachdem das verheerende Ausmaß der Katastrophe in Japan erst nach und nach deutlich wird», sagte ein Börsianer.