Potsdam (dpa) - Das katastrophale Erdbeben in Japan hat mit seiner Wucht große Landmassen verschoben. Die Hauptinsel sei um etwa drei Meter verrückt worden, sagte Jörn Lauterjung vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam der Nachrichtenagentur dpa.

Wieso haben sich die Landmassen in Japan verschoben?

Der Pazifische Ozean kollidiert vor Japan mit dem Eurasischem Kontinent. Es entsteht Spannung, sogenannte Deformationsenergie. Diese wird in der Platte gespeichert, die darauf liegt - in diesem Fall Japan. Der Prozess führt dazu, dass der Eurasische Kontinent nach Westen hin zusammengestaucht wird. Diese Spannungen im Gestein können sich durch ein Erdbeben lösen. «Dabei entspannt sich das ganze Stück, auf dem Japan liegt», schilderte Lauterjung.

Was bedeutet das konkret?

Bei dem Beben ist dem Experten zufolge der nördliche Teil von Japans Hauptinsel Honshu schlagartig um etwa drei Meter verschoben worden. «Man kann das in den Aufzeichnungen der GPS-Stationen wunderbar sehen: Erst gibt es das Erdbeben, kurz danach springt die Station auf die neue Position - bis zu drei Meter», sagte Lauterjung. Die genaue Auswertung der Daten dauere noch an, die Werte könnten sich darum noch etwas verändern. Für Lauterjung - Koordinator des Deutsch-Indonesischen Tsunami Frühwarnsystems - sind die Daten besonders wichtig wegen ihrer Aussagekraft für spätere Katastrophen.

Gab es auch auf dem Meeresboden Veränderungen?

Derzeit gibt es dazu noch keine Daten. Man kann das nur anhand von Modellen ausrechnen. Da es einen Tsunami gab, muss es am Meeresboden eine vertikale Bewegung gegeben haben. Angesichts der vorliegenden Daten geht der GFZ-Forscher davon aus, dass der Ozeanboden mindestens um einen Meter nach oben gegangen ist. «Wir kennen eindrucksvolle Bilder vom Sumatra-Erdbeben», schilderte Lauterjung. Sie seien vergleichbar mit den Aufnahmen von Straßen, die nach dem Beben in den Himmel ragten. «Genau dies geschieht auch am Meeresboden.»