Wien (dpa) - Krebsbekämpfung, billiger Strom, weniger Treibhausgase - für den Chef der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA, Yukiya Amano, birgt Atomkraft deutlich mehr Chancen den Risiken. Daran ändert auch die Erdbebenkatastrophe in Japan nichts.

«Dieser Unfall aufgrund gewaltiger Kräfte der Natur ändert nichts an dem Fakt, dass wir eine stabile Energiequelle brauchen und etwas gegen den Klimawandel tun müssen», sagte der Japaner in der Debatte um den Unglücksreaktor Fukushima vor Journalisten in Wien.

Als Favorit des Westens trat Amano Ende 2009 die Nachfolge von IAEA-Chef Mohammed el Baradei an, der für sich und seine Behörde den Friedensnobelpreis holte. Anders als der charismatische und häufig forsch auftretende Ägypter pflegt Amano seither einen zurückhaltenden und vorsichtigen Stil.

Er sehe sich im Einklang mit den IAEA-Statuten als oberster Verwalter, sagte er damals bei seinem Antritt. Unter Diplomaten gilt der 63-Jährige nicht als Führungsfigur, sondern eher als Diplomat, der sich genau an die ihm auferlegte Jobbeschreibung hält.

«Gerade unter Amano hat sich der Schwerpunkt der IAEA geändert», sagte der Politikexperte Heinz Gärtner vom Österreichischen Institut für Internationale Politik. Statt über mögliche Atomwaffenprogramme des Irans oder Nordkoreas spricht Amano lieber über die Chancen der Nuklearenergie bei der Bekämpfung von Krebs oder Hunger.

Schon bei einem seiner ersten Auftritte hatte er damals angekündigt, die Behörde zwischen ihren beiden Aufgaben - der Überwachung und der Förderung der Nutzung von Atomenergie - «ausbalancieren» zu wollen.

Amano studierte in Tokio Jura und trat 1972 in die Dienste des japanischen Außenministeriums ein. Als Experte für Atomfragen führte er viele internationale Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung und war als Diplomat unter anderem in Washington und Brüssel tätig.