München (dpa) - Die Bayern feierten beinahe schon die gelungene Revanche, da schlug Inter doch noch zurück. Zehn Monate nach dem Triumph im Champions-League-Finale bejubelten die Mailänder ihren Erfolg genauso frenetisch wie damals in Madrid.

Inter-Trainer Leonardo weinte vor Freude, Matchwinner Goran Pandev riss sich das Trikot vom Leib, und die Mailänder trugen ihren vom Fliegenfänger zum Chancenkiller mutierten Torwart Julio Cesar auf den Schultern durch die Allianz-Arena. «Das war eine historische Nacht», sagte der bewegte Leonardo nach dem fulminanten 3:2-Sieg des Titelverteidigers bei Bayern München.

«Wie im Märchen», titelte der «Corriere dello Sport» am Mittwoch, nachdem der Triple-Sieger nach der 0:1-Pleite im Hinspiel das Ruder herumgerissen hatte. «Mamma, was für ein Inter! Du bist einzigartig», gratulierte die «Gazzetta dello Sport» zum größten Triumph dieser Saison. Als einziger Club vertritt der Meister die Serie A nun weiter in den europäischen Fußball-Clubwettbewerben. «Die Champions geben eben nie auf», kommentierte «Tuttosport».

Die «Tifosi» konnten kaum fassen, wie Inter mit Klasse, unbändigem Siegeswillen und Glück doch noch ins Viertelfinale der Champions League eingezogen war. Selbst die Fans der anderen Clubs zu Hause applaudierten vor den Fernsehern in den Sportbars und Restaurants von Meran bis Palermo. Erst recht, als Inters japanischer Verteidiger Yuto Nagatamo im Mittelkreis die japanische Fahne hochhielt und an seine von Erdbeben, Tsunami und Atomangst geplagten Landsleute die Botschaft sandte: «Ihr seid nicht allein!»

Der größte Jubel galt Goran Pandev. Mit seinem Siegtor in der 88. Minute stürzte der Mazedonier die Inter-Fans in einen Freudentaumel. «Das war ein Tor für die Madonna», sagte Trainer Leonardo und herzte seinen Matchwinner. «Das war das wichtigste Tor meiner Karriere», meinte der Angreifer aufgewühlt.

Neben dem 27-Jährigen feierten die Gazetten vor allem Top-Stürmer Samuel Eto'o, der Inter schon in der dritten Minute mit 1:0 in Führung gebracht hatte, sowie Wesley Sneijder, der das 2:2 in der 63. Minute besorgte. Auch der Coach wurde in den höchsten Tönen gelobt: «Das war Leonardos erstes Finale», stellte «La Repubblica» fest. «Ja, ich habe vor Freude geweint», gab der Brasilianer unumwunden zu.

Erst im Dezember hatte er die verunsicherte Mannschaft nach der Trennung von seinem glücklosen Vorgänger Rafael Benitez übernommen. Drei Monate später ist Inter wieder obenauf und kämpft trotz des schwachen Saisonstarts noch um alle drei Titel. «Dieses Inter ist zu Großem imstande», versicherte Mittelfeldspieler Esteban Cambiasso.