Berlin (dpa) - Als passionierter Seemann galt der Ruhrpottler Herbert Grönemeyer bislang nicht. Jetzt stellte der Sänger jedoch in Berlin sein neues Album «Schiffsverkehr» vor - im Haus der Kulturen der Welt am Ufer der Spree. Und unterstrich dabei seine große Leidenschaft für das maritime Leben.

«Ich liebe das Meer und fahre da immer gerne hin» - ja er habe sogar einen «Hochseeschein», sagte der in Bochum aufgewachsene Ruhrgebiets-Sohn. Größere Schiffe sieht man dort allenfalls im Duisburger Binnenhafen. In Berlin sind praktisch gar keine unterwegs.

«Herbie» aber lud knapp 200 «Freunde» und Medienvertreter auf den Ausflugsdampfer «MS Mark Brandenburg» ein, laut Reederei «Berlins größtes Cityschiff». Auf einer rund einstündigen Fahrt auf der Spree bekam die Reisegruppe das neue Album komplett vorgespielt. Los ging es am Berliner Osthafen. Von da aus schipperte man in Richtung Tiergarten, vorbei an Museumsinsel, Reichstag und Bundeskanzleramt. Aus den Boxen dröhnten Grönemeyers neue Songs: die bereits ausgekoppelte Hit-Single «Schiffsverkehr», das düster-stampfende «Kreuz meinen Weg» und Balladen wie «Zu Dir» oder «Unfassbarer Grund». Endstation war nach elf Songtiteln der Bootssteg am Haus der Kulturen der Welt.

Dort wartete Grönemeyer bereits auf seine Gäste am schwarzen Flügel und trug einige seiner Songs noch einmal live vor. Und erklärte seinen vielen Fans dann auf einer «interaktiven Pressekonferenz», wie es zum Albumtitel «Schiffsverkehr» und der Liebeserklärung an das Maritime kam. Acht Radiosender in Deutschland und Österreich waren zugeschaltet.

Ein Teil des Albums entstand nämlich in Stockholm, wo Grönemeyer sich vom Hafen und den tausenden Schiffen inspirieren ließ. Und das Meer - das stehe für ihn grundsätzlich als Metapher für «Lebensfreude, Kraft, Energie und Wildheit», ergänzte der 54-Jährige. Nach schwierigen, teils «zerklüfteten» Alben wie «Mensch» und «12» markiere «Schiffsverkehr» für ihn persönlich wie musikalisch eine neuen Lebensabschnitt: «Aufbruch, der Versuch eines Neubeginns».

«Schiffsverkehr» ist Grönemeyers 13. Studioalbum, es erscheint an diesem Freitag. Ende Mai geht es für Grönemeyer und seine Band dann los auf große Stadiontournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bei dem am Dienstag zugeschalteten Radiopublikum kam das neue Werk gut an. «Es ist ein großartiges Album, das unsere Erwartungen übertroffen hat», schwärmte eine Hörerin des hessischen Radiosenders HR3. Das sei Lyrik pur - Herbert Grönemeyer ein «Meister des Wortes».

Große Begriffe wie Liebe, Glück und Schicksal kommen natürlich wieder häufig vor im neuen Album. Aber auch politische Themen werden aufgegriffen. So setzt sich Grönemeyer in einem Song mit dem Schicksal der deutschen Soldaten im Afghanistan-Einsatz auseinander. Die Atomkatastrophe in Japan mache ihn dagegen «sprachlos», räumte der Sänger ein. «Man ist traurig, völlig fassungslos.»