Manchester (dpa) - Tief durchatmen und den Blick nach vorn richten: Für Englands Fußball-Rekordmeister Manchester United wurde der fünfte Viertelfinaleinzug in der Champions League nacheinander am Ende zur Nervenprobe.

«Ein schweres Spiel», gab der starke Stürmerstar Wayne Rooney nach dem 2:1 über Olympique Marseille zu, «wir haben den Sieg so gerade eben verdient. Es ist egal, wen wir in der nächsten Runde bekommen. Wenn man die Champions League gewinnen will, muss man gegen jeden spielen können - und siegen.»

Für Frankreichs Meister platzte derweil der Traum vom zweiten Triumph nach 1993. «Das ist ärgerlich, wir haben eine gute Chance verpasst», schimpfte Coach Didier Deschamps. «United kommt mit Hängen und Würgen weiter», tadelte der «Mirror». Das Boulevardblatt feierte aber den Doppeltorschützen Javier Hernandez, auch als «Chicharito» («kleine Erbse») bekannt, als «Super-Erbse». «Erbse steht für exzellent», jubelte auch die «Daily Mail» dem 22 Jahre alten Mexikaner zu.

In Frankreich gingen die Medien mit den Olympique-Profis hart ins Gericht: Das Team habe in Manchester «überängstlich agiert», schrieb die Zeitung «Le Parisien». Der TV-Sender «TF 1» klagte: «Manchester hat sich sich überhaupt nicht stark präsentiert, aber Marseille hat die Chance einfach ungenutzt gelassen.»

Hernandez' Tore (5./75. Minute) ließen ManUnited zeitweise souverän erscheinen, doch das späte Eigentor des überforderten Wes Brown (83.) läutete eine fast panische Schlussphase ein. Am Ende fuhren die «Red Devils» aber den 100. Champions-League-Sieg ein. «Ich bin stolz darauf, was das Team erreicht hat», sagte Erfolgscoach Sir Alex Ferguson. «Wir haben schon großartige Erlebnisse im Europapokal gehabt. Es ist das beste Turnier überhaupt.»

Sorgen dürfte dem Schotten aber der Zustand seiner Abwehr machen, wo nach den Verletzungen von John O'Shea und Rafael da Silva gegen Marseille nun schon fünf Verteidiger ausfallen, darunter die Kapitäne Rio Ferdinand und Nemanja Vidic. «Vor Torwart Edwin van der Sar regierte beinahe das Chaos», kritisierte der «Daily Telegraph» und fügte an: «Uniteds Abwehr erinnerte an Agatha Christie: Spieler verschwinden, während die Alarmglocken nahezu durchgehend läuten.»