Tokio/Berlin (dpa) - Sie sind die Helden von Fukushima - und vielleicht die ersten Opfer. Rund 50 Menschen kämpfen im havarierten Atomkraftwerk gegen den Super-GAU. Sie riskieren ihr Leben. Es scheint immer mehr zu einer Mission zu werden, die keinen guten Ausgang nehmen kann.

Im blauen Overall und mit müden Augen würdigt Naoto Kan die Frontkämpfer gegen das Inferno von Fukushima. «Sie versetzen sich in eine sehr gefährliche Lage», sagt Japans Premier. Dann warnt er den Energieriesen Tepco vor einer Aufgabe des Katastrophenmeilers 1. «Sie müssen entschlossen sein, das zu lösen», wird Kan in der Agentur Kyodo zitiert. Wenn Tepco seine verbleibenden Mitarbeiter vorher zurückziehe, drohe der Firma der Zusammenbruch.

So kämpfen rund 50 Menschen weiter gegen den drohenden Super-GAU. Der Kamikazeeinsatz der AKW-Mitarbeitern ist von höchster Stelle gefordert, und die Welt zittert mit den Menschen, die in der Öffentlichkeit bisher ohne Namen blieben.

Seit Kans Warnung vom Dienstag eskaliert die Lage weiter. Fukushima 1 ist mittlerweile eine Ansammlung von Stahlschrott und Gebäudegerippen, aus denen es herausdampft und -raucht. Die «Fukushima 50», wie sie genannt werden, kriechen nach Medienberichten durch das Labyrinth der zerstörten Anlage. Nur wenig entfernt von den Brennstäben von insgesamt sechs Blöcken, die gefährdet sind, zu schmelzen drohen oder bereits schmelzen.

Es sind nur Bruchstücke, die man aus dem Kraftwerk von der japanischen Regierung und dem Betreiber erfährt. Doch teils mit Hilfe der Interpretation durch Experten haben japanische Medien, die «New York Times», der «Guardian» oder auch der «Figaro» ein erschütterndes Bild zusammengetragen.

Die Leute tragen demnach Atemschutzgeräte, teils haben sie schwere Sauerstofftanks auf dem Rücken. Ihre Schutzanzüge und -hauben halten verstrahlte Partikel auf, aber nicht die unsichtbare Strahlung selbst. 750 Mitarbeiter sind in Sicherheit gebracht worden, sie wissen, dass die zurückgebliebenen ihre Gesundheit riskieren. Dutzende sind bereits verletzt, 11 davon durch eine Wasserstoffexplosion in Block 3.

Was sie jetzt machen, steht in keiner Betriebsanleitung. So versuchen sie mit keineswegs dafür gedachten Feuerwehrpumpen, große Mengen Meerwasser in die Reaktoren strömen zu lassen. Händeringend kämpfen sie darum, elektrische Anlagen oder Pumpen am Laufen zu halten oder zum Laufen zu bringen. Am Mittwoch können noch zwei der vier wohl akut vor der Megakatastrophe stehenden Blöcke so gekühlt werden. Es brennt aber mehrfach. Doch einen gezielten Löscheinsatz können die Arbeiter nicht leisten - und müssen sich vorübergehend zurückziehen.