Düsseldorf/Maxhütte (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi hat dem zur Edeka-Gruppe gehörenden Lebensmitteldiscounter Netto vorgeworfen, teilweise sittenwidrige Löhne an Minijobber zu zahlen.

So habe in einem Fall aus dem Bereich der Niederlassung Bottrop ein Arbeitsvertrag eines Hartz-IV-Empfängers einen Stundenlohn von 5,50 Euro vorgesehen - plus einem Euro Zulagen für Sonderzahlungen und sonstige tarifliche Leistungen. Dies sagte der Verdi-Sekretär für den Bereich Handel in Nordrhein-Westfalen, Folkert Küpers, am Mittwoch in Düsseldorf. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Essen).

Die 5,50 Euro lägen mehr als 30 Prozent unter dem Stundenlohn der untersten tariflichen Lohnstufe, der für gelernte Kräfte bei 8,98 Euro liege, und seien damit sittenwidrig, so Küpers. Er forderte das Unternehmen auf, künftig alle geringfügig Beschäftigten nach Tarif zu bezahlen.

Eine Sprecherin der Netto Marken-Discount AG & Co. KG im bayerischen Maxhütte wollte den Bericht nicht direkt kommentieren. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es: «Grundsätzlich befinden sich die Löhne des größten Teils unserer Mitarbeiter auf bzw. über dem Tarifniveau.» Die Löhne für Voll- und Teilzeitkräfte befänden sich mindestens auf Tarifniveau.

Netto ist nach Angaben von Verdi seit Mai 2010 tarifgebunden. Die Netto-Sprecherin verwies auf die bei Netto vorhandenen «flächendeckenden Betriebsratsstrukturen». «Wenn ein Kollege Gesprächsbedarf hat, hat er immer einen Ansprechpartner im Betriebsrat», sagte sie der dpa.

Laut Gewerkschaft beschäftigt Netto derzeit 72 000 Menschen, darunter 30 000 Minijobber. Die Sprecherin wollte diese Zahlen nicht bestätigen und verwies auf die kommende Bilanz-Pressekonferenz von Edeka. Wie viele der 30 000 nur 5,50 Euro pro Stunde erhielten, könne er nicht schätzen, so Küpers weiter.