Frankfurt/Tokio (dpa) - Die Panik an den Weltbörsen hat sich am Mittwoch nach den dramatischen Kursabstürzen vom Vortag gelegt - trotz neuer Hiobsbotschaften vom Atomkraftwerk Fukushima Eins.

Von einer grundlegenden Erholung der Märkte gibt es nach Ansicht von Experten nach wie vor keine Spur. Zu unklar sind nach wie vor die Folgen der Katastrophe in Japan. Während sich die Börse in Tokio nach dem Crash vom Dienstag erholte und im Plus schloss, waren die Kurse der meisten europäischen Aktienmärkte einmal mehr rot. Die Ölpreise stiegen nach vorherigen Abschlägen wieder. Die Märkte seien hochnervös, hieß es im Handel.

Von einer grundlegenden Stimmungsänderung an den Märkten wollten Experten weiterhin nichts wissen. Es sei angesichts der Lage in Japan unwahrscheinlich, dass das Ende der Abwärtsbewegung schon erreicht sei, sagte Marktanalyst André Saenger von IG Markets. Andere Börsianer betonten, dass insbesondere im frühen europäischen Handel einige Schnäppchenjäger nach den Kursverlusten der vergangenen Tage zugegriffen hätten. Am Nachmittag bauten die Indizes ihre Verluste wieder etwas aus, was Händler unter anderem auf Äußerungen von EU-Energiekommissar Günther Oettinger zurück führten. Dieser hatte vor Europaparlamentariern in Brüssel davor gewarnt, dass sich «in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen» ergeben können.

An der Tokioter Börse hatte der japanische Leitindex Nikkei zuvor mit einem Plus von 5,68 Prozent bei 9093,72 Punkten geschlossen. Einige Investoren griffen bei den günstigen Kursen zu. Am Vortag war der Index noch um mehr als zehn Prozent abgestürzt und hatte den höchsten Tagesverlust seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zweieinhalb Jahren erlitten.

Insgesamt hatte der Nikkei an den vergangenen drei Handelstagen nach der Naturkatastrophe in dem Inselstaat knapp 18 Prozent an Wert eingebüßt. Eine derartige Kurskorrektur habe es seit 1987 nicht gegeben, betonte Marktanalyst David Buik von BG Partners. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden an den vorangegangenen zwei Handelstagen weltweit umgerechnet 1,147 Billionen Euro am weltweiten Aktienmarkt vernichtet.

Der Dax hat am Mittwoch nach einem von sehr starken Schwankungen geprägten Handel den sechsten Tag in Folge im Minus geschlossen. Am Ende verbuchte der Dax einen Abschlag von 2,01 Prozent auf 6513,84 Punkte. Börsianer begründeten dies jenseits des Geschehens in Japan auch mit der Abstufung der Kreditwürdigkeit Portugals durch die Ratingagentur Moody's. Der EuroStoxx 50 ging mit einem kräftigen Abschlag von 2,26 Prozent auf 2721,24 Punkten aus dem Handel. Deutliche Verluste gab es auch an den Börsen in Paris und London. Der Dow-Jones-Index in New York lag zum europäischen Handelsschluss mehr als 1 Prozent im Minus. Die Kurse deutscher Staatsanleihen stiegen weiter, nachdem es am Vortag schon einen wahren Ansturm auf die als sicher geltenden Papiere gegeben hat.

Experten gehen davon aus, dass die weitere Entwicklung am japanischen Aktienmarkt vor allem von der Entwicklung im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins abhängen wird. Ökonomen betonten, dass die Auswirkungen der Dreifach-Katastrophe in Japan auf die Weltwirtschaft noch höchst ungewiss sind. Das liege vor allem daran, dass die Folgen des drohenden atomaren Super-GAUs nicht absehbar seien. Zudem erschütterten weitere Nachbeben das Land. Japan wandte sich mittlerweile auch an die USA. Unterstützung der US-Truppen könnte nötig sein, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.