London (dpa) - Chorknaben statt Boygroups, Spenden statt ausgefallener Geschenke, Postboten statt Staatsoberhäupter: Sechs Wochen vor der royalen Hochzeit von Kate Middleton und Prinz William ist eines klar.

Das Paar hat sich durchgesetzt mit seiner Maxime «Immer schön auf dem Teppich bleiben!» Nach allem, was bisher bekannt ist, wird Williams und Kates Hochzeit am 29. April sicher ein großes Fest - aber keine überbordende Show. Wie es sich gehört für einen künftigen König von Großbritannien: vornehm, aber zurückhaltend.

Kritiker sagen, die zur Schau getragene Bodenhaftung sei ein Produkt der gewieften PR-Maschinerie des Buckingham Palastes. William wolle Sympathiepunkte scheffeln, um die Basis für seine Regentschaft zu schaffen, heißt es etwa von der monarchiekritischen Organisation Republic. Dem Hofe freundlicher Gesinnte halten es schlicht für Klugheit des künftigen Monarchen und seiner Auserwählten. In jedem Fall hat es das Brautpaar seit seiner Verlobung im Herbst geschafft, dem schwer gebeutelten britischen Volk eher als oberste Diener denn als abgehobene Herrscher gegenüberzutreten.

Ob William in Nordirland beim Tauziehen der Dorfjugend den Schiedsrichter gibt oder Kate in Wales mit dem Inhalt einer Flasche Schaumwein ein Gummiboot tauft: Stets wirken die beiden ein bisschen wie Klassensprecher - auf sympathische Weise heraus-, aber eben nicht abgehoben, als ein Teil des Ganzen. Das Ohr immer ganz nah am Puls des Volkes und hilfsbereit, wenn es irgendwo zwickt. Beide baten Gäste und Öffentlichkeit, auf Geschenke für ihre Hochzeit zu verzichten. Stattdessen riefen sie einen Hilfsfonds ins Leben. So wünscht sich der moderne Brite sein neues Königspaar - und Monarchie-Kritikern nimmt es den Wind aus den Segeln.

Dem Land geht es schlecht. Die höchste Arbeitslosigkeit seit fast 20 Jahren plagt Großbritannien, fünf Prozent Inflation, kaum Wirtschaftswachstum. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die Royal Army in Libyen in den dritten Kriegsschauplatz nach Irak und Afghanistan verwickelt. In solch einem Umfeld erscheint eine ausladende Märchenhochzeit wie bei Williams Eltern Charles und Diana vor 30 Jahren nicht angezeigt. Kaum ein Staatsoberhaupt außerhalb des Commonwealth, wissen Diplomaten, soll eingeladen worden sein. Dafür Metzger, Gastwirt und Postbote aus Kates Heimatdorf.

Bei Williams Vater und Lady Di war noch alles anders: «Die Elite der Welt», wie ein britischer Abgeordneter sich damals ausdrückte, war gerade gut genug, um die Kirchenbänke zu füllen. Auch Bundespräsident Carl Carstens, Frankreichs Präsident François Mitterrand und US-Präsidentengattin Nancy Reagan waren dabei. «Ein gewaltiges Theaterstück» hatte der «Spiegel» die Trauung genannt. Damals kamen 3500 Menschen in die St. Paul's Cathedral.

Die Zahl der Gäste ist diesmal deutlich reduziert. 1900 Gäste werden es in der kleineren Westminister Abbey nur sein. Gerüchte, Prominente wie Elton John oder James Blunt würden für das Brautpaar in der Kirche musizieren, erwiesen sich als falsch. «Man wird keine Einzelauftritte beim Gottesdienst zu sehen bekommen», sagte eine Quelle aus dem Buckingham Palast dem königstreuen «Daily Telegraph». Stattdessen singt der Kirchenchor - der wohl beste in Großbritannien.