Berlin (dpa) - Im Kampf gegen Tuberkulose bereiten widerstandsfähige Keime den Medizinern zunehmend Sorgen. Jeder fünfte Fall gehe in der europäischen WHO-Region auf diese Form der Lungenkrankheit zurück.

Dies sei «alarmierend», heißt es im jüngsten Tuberkulose-Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er wurde am Freitag mit Blick auf den Welttuberkulosetag am 24. März veröffentlicht.

«Das Problem der resistenten Tuberkulose verlangt kühnes und handfestes Handeln: Scheitern ist keine Option», sagte Zsuzsanna Jakab (rpt Jakab), WHO-Regionaldirektorin für Europa. Noch immer hätten gefährdete Gruppen wie Kinder oftmals keinen ausreichenden und schnellen Zugang, wenn es um die Diagnose und Therapie der Krankheit gehe.

Bei der multiresistenten Form der Lungenkrankheit (Multidrug-resistant tuberculosis; MDR-TB) schlagen die zwei gängigsten Medikamente nicht mehr an. Die Behandlung der MDR-TB ist deutlich aufwendiger und teurer als die der normalen Form. Betroffene müssen die Nachfolge-Medikamente sehr lange einnehmen, ob sie wirken, ist oft ungewiss.

Bei den Erkrankten, die 2009 neu gemeldet wurden, schwankt die Zahl der multiresistenten Fälle von Region zu Region extrem. Geht der Anteil in vielen Industriestaaten gegen Null, liegt er in manchen Entwicklungsländern deutlich über 15 Prozent. Für Deutschland meldete die WHO 2,1 Prozent.

Bei denjenigen, die schon einmal behandelt wurden und sich neu angesteckt haben, ist der Anteil der resistenten Fälle besonders hoch: Er liegt bei rund 74 Prozent in Usbekistan, 69 Prozent in der Republik Moldau und 61 Prozent in Kirgistan.

Es seien jedoch auch «ermutigende Trends» erkennbar. Etwa, dass die Zahl der neu berichteten TB-Fälle seit 2005 zurückgegangen ist. Dem Report zufolge litten 2009 knapp 400 000 Menschen in der europäischen WHO-Region an Tuberkulose. Zu dieser Region werden 53 Länder und knapp 900 Millionen Menschen gezählt.