Wolfsburg (dpa) - Noch vor drei Wochen hatte Dieter Hoeneß keck verkündet: «Uns wird es nicht erwischen. Wir werden alles dagegen unternehmen». Jetzt hat es den Manager des abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg selbst erwischt.

Die mächtigen VW-Bosse konnten oder wollten den Beteuerungen des 58-Jährigen nicht mehr glauben, in dessen nur 14-monatiger Amtszeit der deutsche Meister von 2009 bis auf den vorletzten Platz der Fußball-Bundesliga abgestürzt ist.

«Ich hätte gerne hier etwas aufgebaut, aber ich weiß auch, dass der aktuelle Tabellenstand schlecht ist und alle anderen Themen derzeit überragt», kommentierte Hoeneß seinen Abschied. Er habe viel Herzblut in den VfL gesteckt. Zudem sei in seiner Zeit «strukturell als auch sportlich vieles auf den Weg gebracht worden, was leider jedoch am Tabellenbild noch nicht sichtbar ist», so der bisherige Geschäftsführer.

Doch der Verein wollte den von Hoeneß stets propagierten «strukturellen Neuaufbau» nicht weiter verfolgen. Er zog die Notbremse und kehrte zum «System Magath» zurück. Der VfL einigte sich mit Hoeneß auf die Auflösung des Vertrages, Rückkehrer Felix Magath übernimmt neben dem Trainer-Amt erneut die Funktion des Geschäftsführers Sport. Die Trennung von Hoeneß ist auch die Trennung vom «Buhmann» der Fans. Bei den Wolfsburger Anhängern gilt der Ex-Nationalspieler als Sündenbock und Hauptschuldiger für die sportliche Misere.

Zuletzt schallten bei Heimspielen immer wieder «Hoeneß raus»-Rufe durch das Stadion. Vor allem mit seiner Personalpolitik hatte Hoeneß weder bei Trainern noch Spielern Erfolg. Er arbeitete in Wolfsburg mit vier Trainern (Armin Veh, Lorenz-Günther Köstner, Steve McClaren, Pierre Littbarski) und investierte allein im Sommer 2010 rund 35 Millionen Euro in Spieler wie Arne Friedrich, Diego, Simon Kjaer oder Mario Mandzukic.

Doch statt um die Europapokalplätze mitzuspielen, rutschten die Niedersachsen in die Abstiegszone. Nach dem Aus im DFB-Pokal formulierte Hoeneß seine eigene Kapitulation. «Mit dieser Mannschaft ist in ihrer Zusammensetzung kein dauerhafter Erfolg mehr möglich», erklärte er Ende Dezember. Mit dem Transfer von Torjäger Edin Dzeko zu Manchester City für 35 Millionen Euro verbuchte er zumindest einen finanziellen Erfolg.

Sportlich ging es weiter bergab. Die Verpflichtung von fünf Profis am letzten Tag der Winterwechselfrist verpuffte ohne große Wirkung. So verabschiedete sich Hoeneß zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren vorzeitig von einem Bundesliga-Verein. Erst im Juni 2009 hatte er sein Engagement bei Hertha BSC im Unfrieden beendet.