New York/Tripolis (dpa) - Schicksalsstunden in Libyen. Nach der vom UN-Sicherheitsrat verfügten Flugverbotszone in Libyen hat Außenminister Mussa Kussa nur Stunden später in Tripolis eine sofortige Waffenruhe verkündet.

Offen blieb zunächst, ob Machthaber Muammar al-Gaddafi mit einer Waffenruhe nur auf Zeit spielt. Am Abend kamen widersprüchliche Meldungen aus dem nordafrikanischen Land. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf die Führung der Aufständischen, die Regierungstruppen seien weiter vorgerückt und stünden bereits 50 Kilometer westlich von Bengasi. Die Stadt gilt als Hochburg der Rebellen.

Der stellvertretende libysche Außenminister Chalid Kaim betonte dagegen in einer vom TV-Sender CNN übertragenen Pressekonferenz in Tripolis, die vorgerückten Regierungstruppen würden nicht in Bengasi einmarschieren. «Wir haben nicht die Absicht, in Bengasi einzurücken», sagte Kaim. Die gesamte libysche Luftwaffe habe schon seit zwei Tagen keine Einsätze mehr geflogen. Die Regierung lade internationale Beobachter ins Land, um die Einhaltung der Feuerpause zu überwachen. Ausdrücklich erwähnte Kaim dabei Deutschland, Malta, China und die Türkei.

Deutschland enthielt sich bei der UN-Resolution und will sich nicht direkt an Kämpfen in Nordafrika beteiligen. Stattdessen will Deutschland die Verbündeten in Afghanistan durch Einsätze in Awacs-Aufklärungsflugzeugen unterstützen.

Bei der Nato liefen umgehend Vorbereitungen zum Militäreinsatz in dem nordafrikanischen Land an. Mehrere Staats- und Regierungschefs wollen sich an diesem Samstag in Paris zu einem Libyen-Gipfel treffen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In einem von den USA, Großbritannien, Frankreich und arabischen Ländern gestellten letzten Ultimatum wird Gaddafi aufgefordert, seine Truppen abzuziehen und alle Angriffe auf Zivilisten einzustellen. Die Bevölkerung müsse Zugang zu humanitärer Hilfe erhalten. «Das ist nicht verhandelbar», heißt es in einer am Abend verbreiteten Erklärung des Élysée-Palastes in Paris.

Der Diktator habe die Wahl, in seinem Kampf gegen die Rebellen sofort die Waffen ruhen zu lassen und all seine Truppen zurückzuziehen, sagte US-Präsident Barack Obama am Abend. Zugleich machte Obama klar, keine Bodentruppen nach Libyen entsenden zu wollen. Die USA würden auch keine Alleingänge unternehmen, sondern nur als Teil einer internationalen Gemeinschaft handeln.