Düsseldorf (dpa) - Eine kleine Gruppe von Japanern und Deutschen im stillen Gedenken: Vor dem Deutsch-Japanischen Center in Düsseldorf brennen Kerzen, liegen Blumen für die weit mehr als 6000 Todesopfer der Naturkatastrophe.

In der Innenstadt, wo die Japaner mit eigenem Hotel, Geschäften und Restaurants seit Jahrzehnten das Stadtbild prägen, halten viel inne am Freitag um 9.30 Uhr - in einer Schweigeminute, die die NRW-Landesregierung aus Verbundenheit angeregt hatte. «Die Welt hat sich verändert seitdem», sagt ein Japaner leise.

Eine Woche nach Erdbeben und Tsunami beherrschen die Folgen der Naturkatastrophe und der Kampf gegen den atomaren Super-GAU auch den Alltag der Japaner hierzulande. In vielen Aktionen sammeln sie Geld für ihre Landsleute. «Natürlich haben wir alle gespendet, wir fragen unsere Zentrale in Tokio ständig, was wir tun können, welche Hilfe gebraucht wird», sagt Masami Sam Harano, Chef der japanischen Telekommunikationsfirma NTT in Düsseldorf.

«Die Kollegen, auch die Deutschen, bieten ihr Haus an für die Opfer der Katastrophe, besonders auch für die Kinder, die obdachlos geworden sind», erzählt Harano. «Wir haben auch einige Kollegen im Unternehmen, deren Familien im Nordosten leider sehr schwer getroffen wurden.» Geldspenden seien enorm wichtig, sagt auch seine Mitarbeiterin Kati Wohlbaum. Die japanische Regierung habe sich sehr dankbar über die Hilfe aus Deutschland geäußert.

Im Großraum Düsseldorf leben mehr als 8000 Japaner - mit London und Paris damit die größte Gemeinde aus dem asiatischen Land in Europa. Nach dem ersten lähmenden Schock sind in «Klein-Tokio am Rhein» mehrere Benefiz-Veranstaltungen, Gedenkfeiern, Mahnwachen oder Gottesdienste angelaufen. Japanische und deutsche Unternehmen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt geben hohe Summen, auch die japanische IHK mit ihren gut 500 Mitgliedern trommelt für die Opfer. Ein Konzert am 26. März mit Musikern und aus beiden Ländern und Star-Dirigent Yukata Sado soll «Kraft und Mut» machen.

«Jeder hilft hier», erzählt Megumi Adams in Düsseldorf. «Es wird ja alles gebraucht in Japan - Babymilch, Windeln, Lebensmittel, Batterien, Decken.» Ihre Familie stamme aus dem nicht betroffenen Stadt Nagoya, mehr als 200 Kilometer südlich von Tokio. «Aber einige meiner Freundinnen hier hatten nicht so ein Glück, sie haben Familie oder Freunde in Tohoku, die alles verloren haben. Aber wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Man muss stark sein.»

Die aus Tokio stammende Masako und ihr Mann würden ihre Eltern aus Yokohama bei Tokio gerne nach Düsseldorf holen, weil die Gefahr einer radioaktiven Verstrahlung nicht gebannt ist. «Aber sie möchten ihr Land nicht im Stich lassen, sagen sie. Und das sagen alle.» Masako weiß: «Japan muss wieder mehr Benzin kaufen können, damit die Hilfslieferungen zu den Opfern kommen und das Aufräumen vorangeht. Dafür brauchen wir Geld.»