Berlin (dpa) - Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) muss zeigen, wie glaubwürdig seine neue Atompolitik ist. Schon vor der Verlängerung der Laufzeiten erarbeitete sein Haus eine detaillierte Liste, was in den 17 deutschen Atomkraftwerken nachgerüstet werden soll.

Dazu gehören etwa dickere Hüllen, um möglichen Terrorattacken mit Flugzeugen stand zu halten. Rund 50 Milliarden Euro sollte das kosten - zu teuer, hieß es. Nun kursiert wieder eine Liste, die kaum zu realisieren ist, da fast alle Meiler unrentabel würden. Röttgen macht Druck und sagt: «Wir wollen und können die Dinge nicht auf die lange Bank schieben.»

Was passiert in den nächsten drei Monaten während des Atom-Moratoriums?

Röttgens Beratergremium, die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), in der 16 Vertreter der Energiekonzerne, des TÜV, der Wissenschaft und der Anstalt für Materialforschung sitzen, hat sich am Donnerstag erstmals mit der Lage befasst. Ein gleichzeitiger Sicherheits-Check in allen 17 Atommeilern, von denen acht abgeschaltet sind, ist Neuland. Dem Vernehmen nach gibt es noch keinen Masterplan. Die Linken-Politikerin Dagmar Enkelmann fordert, dass es keine «Placebo-Prüfung» geben dürfe. «Die Bundesregierung muss die Maßstäbe offen legen, nach denen sie die Sicherheit der AKW testet.»

Wer geht in die Atomkraftwerke?

Möglich ist, dass Mitarbeiter des TÜV, Experten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) aber auch des Bundesamts für Strahlenschutz sowie internationale Fachleute in die Meiler ausschwärmen. In drei Monaten ist wenig zu machen, es geht vor allem um eine Art Inventurliste, was womöglich nachgebessert werden muss. Doch was begutachtet werden soll, ist unklar - davon hängt auch ab, ob 50 oder mehr als 100 Fachleute gebraucht werden. Auf Basis der Bestandsaufnahme wird entschieden, welche Meiler am Netz bleiben.

Was hat es mit der Liste auf sich, in der von milliardenschweren Nachrüstforderungen die Rede ist?