Oslo (dpa) - Nach dem fünften Startverzicht der Saison muss Biathlon-Star Magdalena Neuner den Weltcup-Gesamtsieg wohl abschreiben. Die zehnmalige Weltmeisterin hat beim großen Finale am Holmenkollen aus gesundheitlichen Gründen auf ihren Einsatz im Verfolgungsrennen verzichtet.

«Sie war die letzten Tage schon angeschlagen und ist nicht in der Lage zu laufen. Die Gesundheit geht vor», sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig. Die Entscheidung fiel nach einem Besuch beim österreichischen Mannschaftsarzt, da die deutschen Teamärzte nicht mit nach Oslo gekommen sind. Gut eine Stunde vor Wettkampfbeginn wurde die Doppel-Olympiasiegerin offiziell aus dem Rennen genommen, teilte Peer Lange, Kommunikationsdirektor des Weltverbandes IBU, mit.

Neuner hat damit kaum noch Chancen auf ihren dritten Weltcup-Gesamtsieg. Die Doppel-Olympiasiegerin liegt als Zweite der Weltcup-Gesamtwertung vor dem «Verfolger» am Samstag und dem Massenstart am Sonntag 22 Punkte hinter Spitzenreiterin Kaisa Mäkäräinen aus Finnland. Über einen Einsatz im Massenstartrennen am Sonntag hat Neuner noch nicht entschieden. «Das können wir noch nicht sagen. Wir werden auf jeden Fall keinen Schnellschuss machen», meinte Hönig.

In ihrem Lieblingswettkampf hat Neuner noch allerbeste Chancen auf den Sieg in der Disziplin-Wertung. Mit 190 Punkten liegt sie an der Spitze des Klassements vor der Norwegerin Tora Berger (181). Die 24-Jährige, die schon bei ihrem Sprintsieg am Donnerstag über starken Husten klagte, hat zwar kein Fieber, fühlt sich aber total schlapp. Neuner hatte zum Auftakt der Holmenkollen-Rennen überraschend den Sprint-Weltcup gewonnen.

Mit ihrem fünften Saisonsieg hatte sie beim Weltcup-Auftakt den 60-Punkte-Rückstand in der Gesamtwertung auf Mäkäräinen gleich um 38 Zähler reduzieren können. Zuvor hatte sie während der Saison bereits vier Rennen krankheitsbedingt ausfallen lassen müssen und somit keine Weltcup-Punkte sammeln können. Am Freitag war die Doppel-Olympiasiegerin im Training geschont worden, hatte mit einem Spaziergang am Holmenkollen Kraft getankt für die weitere Aufholjagd.

Auch über ihre sportliche Zukunft hatte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa gesprochen. «Ich bin 24 Jahre alt, bei mir ist alles drin. Ich kann sagen, ich höre auf. Ich kann aber genauso gut noch zwei Jahre machen oder noch vier Jahre oder sogar noch sechs Jahre. Ich weiß es einfach nicht», sagte sie mit krächzender Stimme. Über Nacht kam dann der gesundheitliche Rückschlag.