Leipzig (dpa) - Trauerschleifen und Papierkraniche: Hunderte Manga-Fans aus ganz Deutschland gedachten am Samstag auf der Leipziger Buchmesse der Opfer in Japan.

Die Katastrophen in ihrem Lieblingsland war diesmal Gesprächsthema Nummer eins bei den jungen Leuten, die seit Jahren immer am Buchmesse-Samstag aufwendig kostümiert auf die Bücherschau kommen. Nicht nur sie sorgten dort am vorletzten Tag der Messe für proppevolle Hallen. Bei den Lesungen bildeten sich dicke Trauben neugieriger Zuhörer, an den Verlagsständen stöberten Jung und Alt in den Neuerscheinungen des Frühjahrs.

«Es ist ja mein Lieblingsland, deswegen trifft mich die Katastrophe besonders», sagte die 24-Jährige Stephanie aus Dresden, die als «magische Krankenschwester» Komugichan zur Messe kam. Sie habe sich auch an der Papierfalt-Aktion «1000 Kraniche» beteiligt, trug aber keinen Trauerflor wie einige andere Manga-Fans. «Das bringt ja nix», meint sie.

Die 20-Jährige Jannika reiste in ihrem Norwegen-Kostüm aus Osnabrück nach Leipzig und sagte zu den Geschehnissen in der Heimat der Manga-Comics: «Ich fände es in jedem Land schlimm, es hat mich sehr getroffen. Wir haben aber leider unsere Kraniche zu Hause liegen gelassen.»

«Es ist ein recht komisches Gefühl, wenn man so fröhlich ist - und weiß, was in dem Land, wo alles herkommt, passiert ist», sagte Tanja aus Berlin alias Hibari Kyoya. Sie hat auch Internet-Freund in der Katastrophenregion, zu denen der Kontakt abgebrochen ist. «Da bangt man, wenn man keine Antwort mehr bekommt», berichtete die Berlinerin.

Während die jungen Manga-Fans in ihren schrillen Perücken, weiten Umhängen und «Umarmungen für Japan»-Pappschildern posierten, verriet einer der ältesten Messe-Teilnehmer, dass er bald in die Schriftsteller-Rente gehen will. «Mein neuer Essayband wird mein dickstes, aber wahrscheinlich auch mein letztes Buch sein», sagte der Dramatiker Rolf Hochhuth (79) bei einer Lesung. Das Buch werde mehr als 1600 Seiten haben und im Mai erscheinen. Es enthalte alles Neue, was er in den vergangenen drei Jahren geschrieben habe.

Der große serbische Erzähler David Albahari, der seit 17 Jahren in Kanada lebt, sprach von seinem Heimweh. «Ich merke, dass ich mich als Schriftsteller in Europa wohler fühlen würde als in den USA. Mein Schreiben gehört einfach in diese kulturelle Tradition», sagte er der dpa. «Außerdem kann man seine Bücher in Europa in 35 Sprachen übersetzten, in Amerika nur in eine.»