Frankfurt/Main (dpa) - FIFA-Präsident Joseph Blatter muss sich nach Ansicht von Franz Beckenbauer auf einen intensiven Machtkampf um den Chefsessel des Fußball-Weltverbandes einstellen.

Die Kandidatur des Herausforderers Mohamed bin Hammam sei «legitim und ernst zu nehmen», sagte der «Kaiser» in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Bin Hammam tritt am 1. Juni gegen Blatter um das höchste Fußball-Funktionärsamt an. «Blatter hat sicher die meiste Erfahrung bei der FIFA, ist am längsten dabei und hat als Präsident einen guten Job gemacht. Aber er muss aufpassen», erklärte Beckenbauer.

Der 65-Jährige, der bei dem Kongress in Zürich auf eigenen Wunsch aus dem Exekutivkomitee ausscheidet, warnte vor einer «Spaltung innerhalb der FIFA.» 2002, als Blatter letztmals einen Gegenkandidaten hatte, habe «eine fürchterliche Stimmung des Misstrauens» geherrscht.

Beckenbauer regte Reformen für die in die Kritik geratene FIFA-Administration an. Die WM-Vergabe solle künftig nicht mehr durch die 24 Mitglieder der Exekutive vorgenommen werden, sondern durch alle 208 Mitgliedsverbände beim Kongress. So könne Bestechungsversuchen besser entgegengesteuert werden.

Die Problematik der möglichen Korruption innerhalb der Fußball-Regierung resultiere aus der Universalität des Gremiums. «Wir in Europa haben ein ganz anderes, strengeres Verständnis von Korruption und davon, wo sie anfängt, als das in Afrika, Asien oder Südamerika der Fall ist», sagte der «Kaiser».

Er sprach sich zudem für mehr weibliche Mitglieder in den höchsten FIFA-Gremien aus. «Auf jeden Fall brauchen wir mehr Frauen in der Verantwortung. Die FIFA-Exekutive ist ein reiner Männerklub, dem weibliche Kompetenz und Intelligenz sehr gut täte», sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München. Seinem designierten Nachfolger im «Exko», DFB-Präsident und Frauenfußball-Fan Theo Zwanziger, legte er gleich die Übernahme der bislang von ihm geleiteten Kommissionen für die U17- und U20-WM der Frauen ans Herz.