Berlin (dpa) - Thomas de Maizière kommt für Karl-Theodor zu Guttenberg: Kanzlerin Angela Merkel will die Regierungskrise im Superwahljahr 2011 mit einem engen Vertrauten an der Spitze des Verteidigungsministeriums überwinden.

Das Innenressort geht ebenfalls an einen politischen Weggefährten, den CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Gut drei Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz tauschen damit CDU und CSU die Schlüsselressorts Innen und Verteidigung. Die Kritik am Krisenmanagement der Kanzlerin reißt trotz der schnellen Kabinettsumbildung nicht ab.

Die Minister de Maizière und Friedrich werden bereits an diesem Donnerstag ernannt. Merkel betonte, sie halte an Guttenbergs Konzept für die Bundeswehrreform trotz der Finanz- und Personalprobleme fest. Guttenberg war am Dienstag über die Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit gestürzt.

Merkel sagte, sie schätze den brillanten Intellekt de Maizières und dessen vorbildliches Pflicht- und Verantwortungsgefühl. Er betreibe Politik auf Grundlage fester Werte und sehe immer die Sorgen und Anliegen der Menschen. «Thomas de Maizière wird es gelingen, das Vertrauen der Soldatinnen und Soldaten schnell zu gewinnen und vor allen Dingen die von Karl-Theodor zu Guttenberg eingeleitete Bundeswehrreform entschlossen fortzusetzen und umzusetzen.»

Friedrich schätze sie schon lange als Ratgeber in allen innen- und rechtspolitischen Fragen, sagte die CDU-Chefin. Sie halte Friedrich «sehr für geeignet, auch denkbare Streitfragen oder Unterschiede mit dem (FDP-geführten) Justizministerium oder in der gesamten Bundesregierung auch ausgleichend zu klären». Für die Bundesregierung sei die neue Aufgabenverteilung sehr erfolgversprechend.

CSU-Chef Horst Seehofer plädierte in München dafür, dass Guttenberg der bayerischen und deutschen Politik erhalten bleibe. «Er gehört zu uns, er ist einer von uns. (...) Wir brauchen ihn auch.» Er ergänzte: «Zunächst sollte sich der Karl-Theodor mit seiner Familie ein Stück Rückzug und Erholung gönnen.» Zugleich bestätigte Seehofer, dass Guttenberg auch sein Bundestagsmandat niederlegt. Damit verliert Schwarz-Gelb eine Stimme im Parlament. An den klaren Mehrheitsverhältnissen ändert dies aber nichts.

Über die Nachfolge von Friedrich als Landesgruppenchef ist nach Angaben von Seehofer noch nicht entschieden. Als Favoriten gelten laut «Kölner Express» (Donnerstag) der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Bundestagsabgeordneten Stefan Müller und Generalsekretär Alexander Dobrindt.