Zagreb (dpa) - Schlimmer hätte es für die deutsche Tennis-Auswahl nicht kommen können: Mit dem Erstrundenspiel in Kroatien erhielt das deutsche Davis-Cup-Team nach dem geschafften Klassenerhalt das undankbarste Los.

«Das wird auf jeden Fall eine Stimmung, die wir so nicht gewohnt sind. Es ist schon sehr laut. Ich hoffe, dass es nicht unfair wird», sagt Davis-Cup-Rückkehrer Philipp Petzschner vor dem Auftakt in Zagrebs Dom Sportova am Freitag. Der 26-Jährige hat bereits erlebt, wie temperamentvoll die kroatischen Fans in den rot-weißen Trikots mit dem Schachbrettmuster mitgehen. Beim bislang letzten Gastspiel vor neun Jahren gab es an gleicher Stelle ein 1:4 für Rainer Schüttler, Nicolas Kiefer sowie das Doppel Michael Kohlmann und David Prinosil.

Das damalige Talent Petzschner war während der kurzen Amtszeit von Kapitän Michael Stich als Sparringspartner dabei und erlebte trotz der Führung durch Schüttler, wie Ivan Ljubicic und der nicht mehr aktive Wimbledonsieger Goran Ivanisevic danach keinen Satz mehr abgaben. Diesmal spielen Marin Cilic, Riese Ivo Karlovivc und Aufsteiger Ivan Dodig. Routinier Ljubicic ist am Fuß verletzt.

«Das ist natürlich ein Vorteil für uns. Wir sind mit der nominell besten Mannschaft hier», sagt Petzschner, der trotz seines großen Potenzials in Einzel und Doppel erst dreimal im Davis Cup dabei war. 2007 beim Halbfinale in Moskau rettete er an der Seite des verletzten Alexander Waske den Sieg im Doppel und verlor bei seinem Debüt als Ersatz für Thomas Haas im Einzel. 2008 folgten noch zwei Doppel-Einsätze an der Seite von Philipp Kohlschreiber, der wieder das Team anführt. Florian Mayer dürfte das zweite Einzel bestreiten, Wimbledonsieger Petzschner rechnet zumindest mit einem Doppel-Einsatz an der Seite seines langjährigen Partners Christopher Kas.

Vor einem Jahr hatte die deutsche Mannschaft in der ersten Runde 1:4 in Frankreich verloren - ohne Petzschner, der sich auf seine persönliche Karriere konzentrieren wollte. Erst in Toulon wurde klar, dass er nicht nominiert werden konnte. Er hatte die Athletenvereinbarung des Deutschen Tennis Bundes (DTB) nicht unterschrieben und gehörte bei Dopingkontrollen damit nicht zum nationalen Testpool. Als Top-50-Spieler im Einzel unterlag er dann den Anforderungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Petzschner sieht sich durch den Verlauf der Saison in seiner Entscheidung bestätigt. «Das war der Verlauf nach oben, wie ich ihn mir vorgestellt habe», betont Petzschner, der es im Einzel unter die ersten 40 schaffte, ehe ihn Verletzungen stoppten. In Wimbledon hatte er den späteren Sieger Rafael Nadal am Rande der Niederlage, mit dem Österreicher Jürgen Melzer feierte Petzschner im Doppel seinen größten Triumph. Mit Melzer gewann er 2011 auch das Turnier in Rotterdam, im Vorjahr waren beide in Zagreb erfolgreich.

Die Kritik, die auf ihn einhagelte, hat Petzschner verletzt. «Das war eine herbe Enttäuschung. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe gegen nichts verstoßen», betont der Franke, der sich über seine Rückkehr ins Davis-Cup-Team freut und nicht nachkarten will: «Ich bin nicht der, der draufhaut.» Das hebt er sich für den Tennisplatz auf.