Karlsruhe (dpa) - Acht Jahre lang war Rainer Scharinger Spieler des Karlsruher SC - jetzt soll er den Verein als Trainer vor dem Abstieg retten. Der Tabellen-16. der 2. Fußball-Bundesliga stellte den 43-Jährigen als Nachfolger des nur einen Tag zuvor beurlaubten Uwe Rapolder vor.

«Ich bin heiß auf die Aufgabe. Ich bin mir aber auch bewusst, dass das eine Herkules-Aufgabe ist», sagte Scharinger. Es sei ihm eine «besondere Ehre», beim KSC Trainer zu sein. «Ich bin hier geboren, ich lebe hier, das ist mein Heimatverein. Früher bin ich im Block vier gestanden und habe meinen Idolen Karl-Heinz Struth, Rainer Ulrich und Ede Becker zugejubelt.»

Scharinger erhielt einen Vertrag bis 2012. Er soll selbst im Falle eines Abstiegs beim KSC bleiben und damit im Gegensatz zu Rapolder eine langfristige Lösung werden. «Wir sind der Überzeugung, dass Rainer Scharinger genau der richtige Mann ist, um die Klasse zu halten. Er verfügt über ausreichend Erfahrung, eine große Motivation und Identifikation», sagte Präsident Ingo Wellenreuther.

Nach Rapolder, Interims-Trainer Markus Kauczinski sowie Markus Schupp ist Scharinger bereits der vierte KSC-Coach in dieser Saison. Der 43-Jährige führte zuletzt den VfR Aalen in die 3. Liga zurück, musste dort aber am 27. Dezember 2010 wieder gehen. Davor trainierte er die zweite Mannschaft von 1899 Hoffenheim und arbeitete als Assistent von Ralf Rangnick auch mit dem Bundesliga-Team der Kraichgauer zusammen. Er steht für die Arbeit mit jungen Talenten, die auch beim KSC die große Mehrheit im Kader bilden.

Scharinger ist davon überzeugt, dass die Mannschaft über «eine gewisse Qualität» verfügt. «Aber egal, wer hier sitzt: Niemand ist der Messias und kann sagen, das machen wir mit links», sagte Scharinger. Ich habe gerade in der Kabine den Spielern in die Augen geschaut und dabei eher zusammengekniffene und entschlossene Augen gesehen. Das macht mir Hoffnung.»

Als Spieler war Scharinger von 1987 bis 1993 sowie von 1997 bis 1999 für den KSC aktiv. Im Profibereich spielte der gebürtige Karlsruher auch für den SSV Ulm 1846 und die Stuttgarter Kickers.

Sein Vorgänger Rapolder hatte den Verein nach nicht einmal viermonatiger Amtszeit wieder verlassen müssen. Neben der nach wie vor akuten Abstiegsgefahr wurde dem 52-Jährigen auch sein Umgang mit Spielern, Mitarbeitern und vor allem Fans vorgehalten. Ein Eklat bei der 1:4-Heimniederlage gegen Ingolstadt 04 hatte den Ausschlag für die Trennung gegeben: Da zeigte Rapolder einem Zuschauer auf der Haupttribüne des Wildparkstadions den ausgestreckten Mittelfinger.