Berlin (dpa) - Die Taktik der Kanzlerin dürfte aufgegangen sein. Nach dem Absturz des Volkslieblings Guttenberg hat sie ihrem Vertrauten und akribischen Arbeiter de Maizière ins derzeit wichtigste Ressort gebracht: das Verteidigungsministerium. Auch die CSU dürfte zufrieden sein.

Erst sah es nach einer tagelangen Hängepartie aus, doch dann ging alles ganz schnell. Angela Merkel und Horst Seehofer wollten den Nachfolger von Karl-Theodor zu Guttenberg möglichst schnell bestimmen. Damit wollten sie nach den turbulenten Wochen um die Plagiatsaffäre des ehemaligen Kabinettsstars Ruhe in die eigenen Reihen bringen.

Mit Thomas de Maizière als neuem Verteidigungsminister und Hans-Peter Friedrich als Innenressortchef geht Merkel auf Nummer sicher. Weil die Kabinettsentscheidungen ausgerechnet wenige Wochen vor drei wichtigen Landtagswahlen nötig wurden, ging es um eine Lösung mit möglichst wenig politischem Risiko.

Die Personalien waren so wichtig, weil es um nicht weniger als die innere und die äußere Sicherheit geht. Allerdings sah es nach einem Treffen von CSU-Spitzenpolitikern am Dienstagabend erst so aus, als werde es eine «bayerische Lösung» geben: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon waren im Gespräch. Beide sagten aus familiären Gründen ab - Seehofer soll vor allem über das Nein Herrmanns sauer sein.

Es kam also anders als vom CSU-Chef gedacht. Es wurde eine mittlere Kabinettsrochade notwendig. Und dabei ging es auch um die Arithmetik der Koalition.

Bisher stand der CSU das Verteidigungsministerium zu und der CDU das Innenministerium. Nun wurde getauscht - im Sinne der CSU, aber auch Merkels. Der Jurist de Mazière ist ein politischer «Fuchs», der sich nun um die Großbaustellen Bundeswehrreform und «Gorch Fock»-Affäre kümmert. Und die CSU bekommt mit dem Innenressort ein Aufgabenfeld, das ihr naheliegt. Der Jurist Friedrich ist aber nicht bekannt für lautes Rufen nach schärferen Gesetzen. Da mag FDP-Chef Guido Westerwelle und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Stein vom Herzen gefallen sein. Die Liberalen haben sich ansonsten herausgehalten und das Personalkarussell nur beobachtet.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und FDP festgelegt, was passiert, wenn es zu einem Ministerwechsel kommt. «Das Vorschlagsrecht für die jeweiligen Ämter liegt bei den verantwortlichen Parteien», heißt es darin. Und es ist festgeschrieben, welches Ressort die Union auf der einen oder die FDP auf der anderen Seite besetzen. Deshalb war auch ein Tausch zwischen CDU und CSU möglich, ohne gegen den Vertrag zu verstoßen.