Hamburg (dpa) - Ärzte-Zeitschriften, die sich über Anzeigen der Pharmaindustrie finanzieren, raten einer aktuellen Studie zufolge eher zur Verschreibung von neuen, umstrittenen Medikamenten.

«Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! Das mussten wir leider feststellen», erklärte Prof. Karl Wegscheider vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Mittwoch. Bei zwei der elf untersuchten Journale konnte die Forschergruppe aus Hamburg, Göttingen, Marburg und Toronto (Kanada) sogar zeigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Empfehlung mehr als verdoppelt, wenn eine Anzeige geschaltet wurde.

Um Erkenntnisse aus der Wissenschaft in der Praxis zu nutzen, würden niedergelassene Mediziner vor allem zwei Arten von Zeitschriften lesen, berichten die Wissenschaftler: «Glänzend aufgemachte, aber überwiegend durch Anzeigen finanzierte Zeitschriften, die gratis an Arztpraxen geschickt werden; und nüchterne, anzeigenfreie, die ausschließlich von ihren Abonnenten getragen werden.»

Die anzeigenfinanzierten Fortbildungszeitschriften neigten zu einer unkritischen Berichterstattung über innovative Arzneimittel, schreiben die Forscher im Journal der Canadian Medical Association. Wegscheider: «Die Studie zeigt, dass die Tendenz, die Verschreibung eines Medikaments zu empfehlen, von der Finanzierung der jeweiligen Zeitschrift abhängt.» Bei einzelnen Gratismagazinen konnten die Wissenschaftler sogar nachweisen, dass eine Empfehlung im redaktionellen Teil mit dem Vorhandensein von Anzeigen im gleichen Heft korreliert. Allerdings: Mehr als die Hälfte der kanadischen Ärzte bezieht ihre Informationen aus kostenlosen Magazinen, hatte eine frühere Studie herausgefunden.

Für die aktuelle Studie werteten die Forscher 465 Ausgaben von elf viel gelesenen deutschen Fortbildungszeitschriften aus - und fanden 638 Anzeigen für neue Medikamente sowie 497 redaktionelle Beiträge mit einer Empfehlung dafür oder dagegen. Das Ergebnis: «Während werbefreie Magazine dazu neigen, von einer Verschreibung der genannten Medikamenten abzuraten, gilt für anzeigenabhängige Gratisjournale das Gegenteil.»